Die Essenz des spirituellen Lebens

von Swami Rama

 

Swami Rama

Ein Ziel des Sadhana (der spirituellen Praktiken) aller Gottesgläubigen ist es, ein wenig gottähnlich zu sein. So wie Gottes Universum, das sowohl sein Gewand als auch seine Selbstdarstellung ist, keine öde Wüste darstellt, müssen das Leben und das Äussere eines gottähnlichen Menschen nicht immer die Nachahmung einer Wüste sein.

So wie kahle Wüsten eine Phase der Schöpfung Gottes sind, so kann Askese eine Phase der Suche nach Gott und nach Selbstverwirklichung sein, jedoch nicht zur Gänze. Wahre Askese für die Suche nach der eigenen Seele und für das Wohl der Menschheit verdient Ehrfurcht.

Ebenso der Verehrung würdig, wenn nicht mehr, ist das Beschreiten des erfüllteren und schwierigeren Weges der Sadhana durch diejenigen, die in der Welt sind, jedoch über ihr bleiben.
Der Lotus wird oft als Symbol in der indischen Kultur und Mythologie verwendet, da der Lotus im Schlamm wächst, oben aber unberührt und unbeeinflusst vom Schlamm und Wasser bleibt.

Du kannst in der Welt leben und doch spirituell sein. Es ist für dich nicht notwendig, der Welt zu entsagen. Wo auch immer du bist, bleibe dort. Folge einfach zwei Formeln. Eine Formel gilt für das Leben in der Aussenwelt:

Alle Dinge dieser Welt, die mir gegeben wurden, wurden von Gott gegeben. Sie sind für mich bestimmt und ich habe das Recht, sie zu benutzen, aber ich habe nicht das Recht, sie zu besitzen, da es nicht meine sind.

Alle Dinge werden mit dieser Einstellung zu Mitteln im Leben, anstelle von „Dies ist meins, dies ist meins“. Du hast Angst, zu verlieren was du hast; du befürchtest, es wird verfallen und sich auflösen. Du solltest lernen, die Dinge der Welt zu nutzen, ohne besitzergreifend zu werden. Wie der heilige Bernard sagte: „Liebe den Herrn allein. Verwende die Dinge der Welt als deine Mittel.“

Darüber hinaus solltest du deine Handlungen selbstlos, liebevoll und geschickt ausführen. Nichts mehr als das ist nötig – eine Formel für das Leben in der Aussenwelt.

Was gilt für das innere Selbst? Gott ist überall. Der Herr ist in mir, ich bin sein Schrein. Wie ein Schrein ordentlich und sauber gehalten wird, so versuche ich auch mein Bestes, meinen Körper, Atem und Geist rein und in Ordnung zu halten.

Für einen Weisen, der die Wahrheit kennt, sind innerlich und äusserlich ein und dasselbe. Die innere Freiheit entsteht aus Selbstaufopferung, Selbstreinigung und Selbstkontrolle. Diese Freiheit befreit den Geist und verleiht ihm Flügel, um zu den grenzenlosen Sphären der unergründlichen Ebenen des Seins aufzusteigen.

Freiheit ist Wahrheit. Warum leben wir dann in Käfigen ohne Himmel darüber – in einer geschlossenen Welt von harten Fakten? Wir sind wie Samen mit harten Aussenschalen, die von innen heraus nach Befreiung weinen. Millionen von Menschen sterben wie Samen, die den Drang nach Schaffung verloren haben.

Die Ressourcen sind enorm, die Mutter Erde ihren Kindern anbietet, um zu leben und erfolgreich auf der Erde zu sein, aber diese Ressourcen bleiben denjenigen vorenthalten, die sich der wahren und unbegrenzten Ressourcen nicht bewusst sind, die innerhalb des menschlichen Lebens schlummern, und dieses Selbst-Vorenthalten ist die Ursache des Leidens.

Wird es einen Tag geben, an dem das Bewusstsein der grossen Menge erleuchtet werden wird? Erst dann werden die Menschen und die Gesellschaft den tiefen Sinn der Wirklichkeit verstehen, der uns Liebe und Emanzipation bietet.

Die Freuden, die man durch Gebet, Meditation und Kontemplation erhält, sind die höchsten aller Freuden. Ich bin ein lebendiger Zeuge, der bestätigt, dass die höchsten Freuden nicht von der Welt gegeben werden können. Alle die Freuden in der Welt geben dir nur einen Vorgeschmack. Diese Kostprobe kann nie zufrieden stellen. Eine vorübergehende Freude wird Vishaya Ananda genannt. Es ist Ananda (Glückseligkeit), aber sie hält nur kurze Zeit an.

Die Weisen sagen, dass es eine weitere Ananda gibt – Paramananda – die etwas Höheres ist, etwas Ewiges, etwas, das nicht ergriffen werden kann, und das befreiend und emanzipierend ist.

Das Besondere am Menschen ist das Bewusstsein für das Bewusstsein. Der brennende Wunsch, die Unsterblichkeit zu erlangen, das Perfekte und das Ewige, erhöht den Menschen über alle anderen Geschöpfe.

Sadhana ist für das Erreichen eines glücklichen Leben auf der Erde bestimmt, anschliessend im Himmel, und schliesslich für die Befreiung. Spirituelle Praktiken führen den Aspiranten zur Göttlichkeit oder sie führen ihn zu inneren Erfahrungen, die weiterhelfen, das endgültige Ziel des Lebens zu erreichen.

Das ganze Leben ist Sadhana.

Du fragst, „Ist es für mich möglich, Gott kennenzulernen? Kann ich ein spiritueller Mensch sein? Ist es möglich für mich, das zu tun?“

Patanjali, der Kodifikator der Yoga-Wissenschaft, sagt: “Oh Aspirant, lerne, bis zum letzten Atemzug deines Lebens zu praktizieren.“

Mögen die Himmel alle Segen auf dich niederregnen lassen, so dass du wachsen und dich entfalten kannst und das Ziel des Lebens erreichst. Meine Gebete sind immer mit dir.

Artikel übernommen von sites.google.com/site/swamiramateachings und übersetzt ins Deutsche.

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