Ernährung

von Swami Rama

Swami Rama

Dies ist ein Auszug aus dem Buch “Ganzheitlich leben” von Swami Rama (siehe Bücher von Swami Rama)

Im Zusammenhang mit den Reinigungstechniken betonen die alten Meister auch, wie wichtig es sei, über eine ausgeglichene und nahrhafte Kost Bescheid zu wissen. Der Körper ist unser gröbstes Werkzeug und ein sehr mächtiges Instrument, und es ist die Nahrung, die diesen Körper instand hält. Es ist ganz einfach wichtig zu lernen, was und wieviel man am besten isst und trinkt. Man sollte auch etwas von der Qualität und der Zubereitung des Essens verstehen. Die Yoga-Handbücher raten hier, dass man sich beobachten und dann nach seinen Fähigkeiten richten solle. Sie empfehlen, weder zu viel noch zu wenig zu essen. Ein Yogi ist jemand, der seine Fähigkeiten auf allen Ebenen kennt und seine Ernährung sowie all seine anderen Aktivitäten entsprechend darauf abstimmt.

Es gibt keine Ernährung, die für alle Menschen gleichermassen ideal ist. Jede Person ist anders und einmalig. Jeder hat einen anderen Stoffwechsel; jeder braucht verschiedene Mengen von Nährstoffen je nach seinen Aktivitäten, seinen Erbanlagen, seiner Umgebung und seinem Gesundheitszustand. Z.B. braucht ein Athlet sehr viel mehr Nahrung als eine Sekretärin, während ein Bewohner der Arktik sehr viel mehr Vitamin D braucht als jemand, der in den Tropen zu Hause ist. Genauso braucht jemand, der sich von einer schweren Krankheit erholt und dünn und unterernährt ist, besonders nahrhaftes Essen wie Milch und Getreide, während jemand, der Übergewicht hat oder seinen Körper mit Drogen oder Zigaretten vergiftet, reinigende Nahrung wie z.B. Obst braucht. Daher ist die Frage, was man essen soll, eine persönliche Angelegenheit, und jeder muss letztlich selbst entscheiden, was und wieviel er isst. Es gibt jedoch einige allgemeine Grundsätze, die fast jeder anwenden kann.

Zuerst einmal sollte man nicht zum Opfer seiner Geschmackswünsche werden. Für die Mehrheit der modernen Menschen von heute ist es vor allem wichtig, dass ihnen das Essen schmeckt, während sie sich um den Nährwert ihrer Nahrung wenig kümmern. Aber schmackhaftes Essen ist nicht unbedingt auch gesund, noch ist es entscheidend, dass gesunde Nahrung immer auch gut schmeckt. Unseren Geschmack erwerben wir wie alle anderen Gewohnheiten auch. Man kann einen anderen Geschmack entwickeln, wenn man begreift, dass gesunde Nahrung hilfreich ist. Essen sollte nicht zur gedankenlos vollzogenen Gewohnheit werden wie andere Süchte, wie z.B. Rauchen oder Trinken.

Man sollte sorgfältig darauf achten, was und wie man isst. Grosse Mengen von künstlich aromatisiertem, hochverfeinertem Zeug zu essen, ist gefährlich für die Gesundheit. Essen und Trinken herunterzuschlingen, ohne richtig zu kauen und ohne nach den Mahlzeiten eine Pause zu machen oder in angespannten Situationen zu essen, führt zu schlechter Verdauung. Magen und Leber werden überlastet. Die Nahrung beginnt im Darm zu gären und zu verfaulen. Unter solchen Umständen genossenes Essen bewirkt eine langsame Vergiftung. Man sollte damit beginnen, sich eine Kost aus unbehandelten, unverfeinerten, naturbelassenen Lebensmitteln ohne künstliche Chemikalien zusammenzustellen und nur dann essen, wenn der Körper Nahrung braucht.

Leider befolgen nur sehr wenige Menschen diesen Rat. Als Konsequenz ihrer schlechten Essgewohnheiten greifen viele Leute zu unnatürlichen Mitteln, um zu erzwingen, was auf ganz natürliche Weise kommen sollte. Sie trinken eine Tasse Tee oder ein Glas Pflaumensaft, um Stuhlgang haben zu können. Um schlafen zu können, nehmen sie eine Tablette. Um die Verdauung anzuregen, nehmen sie kohlensäurehaltige Getränke zu sich. Anstatt sich zu entspannen oder den Atem zu regulieren, wenn sie zur Ruhe kommen wollen, heben sie ihre Gläser und trinken Alkohol. Zu allem Überfluss nimmt der Normalverbraucher im Jahr auch noch mehr als 120 Pfund Zucker zu sich. Das ist nicht nötig. Und die vielen Pfunde Salz, die er im Jahr verbraucht, sind es auch nicht. Solcher Missbrauch ist gefährlich und kann sogar tödlich wirken. Die medizinische Forschung beweist, dass zu viel Salz zu hohem Blutdruck führen kann und die Nieren überlastet und dass zu viel Zucker Fettleibigkeit und Diabetes verursachen kann.

Auf der anderen Seite ist der organische Zucker, der z.B. in Datteln, Honig und Fruchtsäften enthalten ist, in Massen genossen sehr gesund. Denn im Gegensatz zum raffinierten Zucker ist er dort zusammen mit anderen Nährstoffen in ausgewogenem Verhältnis vorhanden. Nirgendwo auf der Welt kann man Zucker (oder auch Salz) von 99,9% iger Reinheit finden ausser in Supermärkten. In dieser Form wirken diese Produkte eher wie Drogen und sind sogar noch verfeinerter als manche Medikamente. Wenn man einen Teelöffel voll Salz oder eine Tasse voll Zucker isst, wird man sehr bald die pharmakologische Wirkung spüren. Also lautet die nächste Regel, den übermässigen Gebrauch von Salz, Zucker und anderen Reizmitteln zu vermeiden.

Die meisten Menschen wissen nicht, welche Nahrungsmittel sie wirklich brauchen. Sie haben kein Gefühl dafür, was sie essen sollten. Sie mögen fühlen, dass sie Hunger haben, aber dann essen sie alles, was ihnen leicht zugänglich ist, ohne über den Nährstoffbedarf ihres Körpers nachzudenken. Die Leute meinen vielleicht, dass sie sich richtig ernähren, aber “richtig” ist das, was gesund ist und das eigene Leben nicht beeinträchtigt. Die meisten Menschen wissen aber nicht, was das heisst. Man sollte sich jedoch klar darüber sein, dass allgemeine Kenntnisse von Nahrungsmitteln allein noch nicht genügen. Erst bei sachgemässer Anwendung dieser Kenntnisse kann man sich einer guten Gesundheit erfreuen. Wenn die Menschen sich nur in dieser einen Sache etwas mehr auskennen würden, könnten sie ein gesünderes Leben führen und schöpferischer, hilfreicher und nützlicher werden.

Durch richtige Ernährung kann man sich vor vielen Krankheiten schützen, sich eine gute Gesundheit erhalten und sogar Widerstandskräfte gegen Virusinfektionen aufbauen.

In den alten Handbüchern werden die Nahrungsmittel in zwei verschiedene Gruppen eingeteilt: in die reinigenden und die nährenden Lebensmittel. Obst wirkt eher reinigend, während Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte einen grösseren Nährwert haben. Der tägliche* Speisezettel sollte immer Nahrungsmittel aus beiden Gruppen enthalten. Feste und flüssige Nahrung sollte man in ausgewogenem Verhältnis zu sich nehmen. Dies bedeutet, dass für die meisten Menschen eine Kost zu empfehlen ist, die aus 40% Vollkorngetreide, 20% Hülsenfrüchten, 20% Gemüse, 15% Obst und rohen Gemüsesalaten und 5% Milchprodukten besteht. Im Winter sollte man weniger Obst essen, denn es bewirkt, dass man sich kühler fühlt. Im Sommer dagegen sollte man mehr Obst und Rohkost essen und weniger Vollkorngetreide. Auf diese Weise bewahrt man ein gutes Gleichgewicht.

Manche Menschen bevorzugen jedoch Extreme. Sie werden Ernährungsfanatiker und essen z.B. nur noch Rohkost. Obschon es sehr gesund ist, etwas rohes Obst und Gemüse zu sich zu nehmen, so können doch nicht alle Nahrungsmittel, aus denen eine ausgewogene Kost besteht, in dieser Form genossen werden. Es ist unmöglich, ungekochte Hülsenfrüchte zu verdauen, und manche Gemüse enthalten Schadstoffe, die nur durch Kochen verschwinden. Viele roh genossene Nahrungsmittel reizen die Darmschleimhäute und verursachen Durchfall. Hinzu kommt, dass die Gedärme, der Blinddarm und die Leber nicht in der Lage sind, grosse Mengen Rohkost zu verdauen. Wenn z.B. jemand versuchen würde, von Trockenobst zu leben, würde sein Verdauungsapparat irgendwann versagen: die vielen unverdauten Nahrungsteilchen würden zu lange im Körper bleiben, gären, übermässig Gase bilden sowie Krämpfe und andere Probleme für Magen und Darm schaffen.

Es ist nicht entscheidend, ob jemand Vegetarier ist oder nicht. Ich diskutiere hier keine “Ismen”, sondern spreche über den Wert einer gesunden Ernährung. Dennoch ist es richtig, dass uns das Pflanzenreich alle nötigen Nährstoffe zu liefern vermag, und für diejenigen, die ein spirituelles Leben führen wollen, mag eine vegetarische Kost hilfreich sein. Wenn man jedoch einfach nur aufhört, Fleisch zu essen und es durch minderwertige Nahrung wie Süssigkeiten, Eiscreme oder Konditoreiwaren ersetzt, so ist das auch nicht gesund. Wenn man Vegetarier sein möchte, sollte man sich darum bemühen, wirklich nur hochwertige Nahrung zu sich zu nehmen.

Sonnenblumenkerne, Mandeln, Sojabohnen, getrocknete Bohnen und Erbsen (Dahl) und einige Getreidearten haben ausreichend Proteine. In der Tat sind einige Samensorten und Nüsse so reich an Proteinen wie Fleisch. Manche Kritiker sagen, dass ein Vegetarier selbst dann, wenn er ausreichende Mengen Protein zu sich nimmt, doch nicht das beste Eiweiss bekommen kann, weil es sehr wenige pflanzliche Eiweisse gebe, die vollständig sind. Das stimmt. Die Lösung des Problems besteht jedoch einfach darin, ein Getreide wie Reis oder Weizen mit einer Bohnensorte (z.B. Dahl) zu kombinieren. Auf diese Weise bekommt man eine vollständige Eiweissnahrung, die alle notwendigen Aminosäuren im richtigen Verhältnis zueinander enthält, jedoch ohne das schädliche Übermass an Fett, das im Fleisch enthalten ist.

Die vegetarische Ernährung hat auch noch andere Vorteile. Vegetarier sind weniger anfällig für Verstopfung, Hämorrhoiden, hohen Blutdruck sowie bestimmte Arten von Krebs und Herzkrankheiten. Ausserdem kann man die Auswirkungen einer vegetarischen Ernährung an alten Leuten studieren. Vegetarier leben lange und können überdies im Alter normalerweise klar denken, vernünftig über Dinge sprechen und ihren täglichen Pflichten nachgehen. Viele Fleischesser hingegen zeigen im Alter keine vergleichbare Vitalität. Im Tierreich mangelt es den Raubtieren an Ausdauer, und wenngleich sie heftig kämpfen können, so halten sie doch nicht sehr lange durch. Wenn z.B. ein Tiger und ein Elephant miteinander kämpfen, so kann der Tiger nicht mehr als zweieinhalb Stunden durchhalten. Aber der Elephant kann drei Tage lang kämpfen! Der Tiger ist Fleischfresser, der Elephant Vegetarier. So kann man also nicht sagen, dass die vegetarische Ernährung nicht vollwertig sei oder keinerlei Vorteile habe.

Ob jemand Vegetarier ist oder nicht, hängt gewöhnlich von seiner Kultur ab, aber manchmal schaffen auch kulturbedingte Gewohnheiten Probleme bei der Heranbildung eines gesunden Körpers. Eine so ungesunde Kultur wie die unsere braucht Veränderungen, aber die meisten Menschen hängen so fanatisch an ihren Traditionen und ihrer Kultur, dass sie sich weigern, ihre Gewohnheiten näher zu untersuchen, die sie möglicherweise krank machen könnten. Der moderne Mensch hält sich für zivilisiert, aber er leidet zunehmend an Degenerationskrankheiten. Was ist Gutes an einer Kultur, die uns krank, schwach und unfähig macht?

Bei dem Versuch, diesen Degenerationsprozess zu verlangsamen, nehmen die Leute oft ihre Zuflucht zu Vitaminen und anderen Ernährungszusätzen. Sie denken häufig, dass solche Zusätze Allheilmittel gegen ihre Krankheiten sind. Oft fragen die Leute: “Wie viele Vitamine soll ich denn nehmen?” Die alten Handbücher erwähnen die Vitamine nicht einmal. Sie sprechen jedoch von belebenden Mitteln wie bestimmten Säften, Kräutern und anderen natürlichen Nahrungsmitteln. Der Saft von frischem Gemüse und Obst enthält eine grosse Menge natürlicher Vitamine und Mineralien. Wenn man ihn trinkt, braucht man keine künstlichen Hilfsmittel. Vitamin C z.B. ist leicht zu haben in frischem Orangensaft und anderem Obst und ist in dieser Form leicht zu verdauen.

Wenn jedoch die Fasern von Obst und Gemüse nicht richtig zermahlen und ausgepresst werden, so erhält man nicht den vollen organischen Wert des Saftes. Wenn man den Saft von der Faser eines Nahrungsmittels trennen will, muss man auch wissen, wie man es richtig auspresst, so dass der Saft dann auch die einzigartigen Eigenschaften dieser Frucht oder des Gemüses enthält. Da sie es eilig haben, nehmen die Leute oft kommerzielle Entsafter. Diese stellen für sie den Saft her, und sie trinken ihn und denken, dass sie auf diese Weise viele Vitamine zu sich genommen haben. Aber viele dieser Maschinen sind unbrauchbar und nicht zu empfehlen, da man durch sie an viele Nährstoffe gar nicht herankommt. Man sollte ein Verfahren anwenden, bei dem man den Saft sanft aus der Grundfaser der Gemüse oder Früchte auspresst. Es gibt sehr wenige Maschinen zu kaufen, die das leisten. Keine Maschine jedoch ist den Zähnen vergleichbar, da sie kräftig zupacken und die feinsten Fasern eines Nahrungsmittels zerkauen können. So ist in der Tat das Zerkauen von Obst und Gemüse die beste Art, deren wertvolle Bestandteile zu nutzen. Man sollte daran denken, dass unzerkaute und schlecht zermahlene Nahrung nicht verdaulich ist, denn: die Leber hat keine Zähne.

Schlechte Nahrung und schlechte Zubereitung des Essens kann alle mit Nahrungsaufnahme und -Verarbeitung beschäftigten Organe des Körpers angreifen und ihr Funktionieren stören. Zuviel ölhaltige Nahrung z.B. oder zu viel Gebratenes und Gebackenes oder zu stark gewürztes Essen sind ungesund. Man hat vor kurzem herausgefunden, dass zu viel öl- und fetthaltiges Essen das Funktionieren der nahrungsverarbeitenden Organe negativ beeinflussen kann. In den Teilen der Welt z.B., wo die Menschen grosse Mengen Fett und Öl zu sich nehmen, leiden viele von ihnen an Herzkrankheiten. Auch Nahrung, die man zu lange gekocht hat, kann letztlich zu Gesundheitsschädigungen führen; deshalb sollte man mit dem, was man isst, sorgfältig umgehen und es nicht um des Geschmackes willen zu sehr braten, toasten oder backen. Andernfalls verändert man die Qualität und auch die chemische Zusammensetzung der Nahrung und macht sie entweder unverdaulich oder sogar schädlich. Ausserdem ist sie dann tot, und obwohl man davon satt wird, führt sie dem Körper nicht das zu, was er braucht. In einer solchen Situation isst man dann leicht zu viel oder verliert seinen Appetit.

Wenn das Essen jedoch nicht genügend gekocht oder zerkleinert worden ist, kann das ebenfalls Schwierigkeiten hervorrufen, weil es von der Leber nur schwer verdaut oder weiterverarbeitet werden kann. Man kann das dadurch etwas kompensieren, dass man sehr gründlich kaut. Der Zweck des Essens ist nicht bloss, sich bestimmte Nahrungsmengen zuzuführen, sondern vielmehr, den Nährwert aus der Nahrung zu ziehen. Deshalb: Je mehr man sein Essen kaut, desto besser. Überdies: Wer abnehmen will, sich aber bei seinen Mahlzeiten nicht einschränken möchte, sollte folgendes ausprobieren: das Essen immer mehr und immer länger zu kauen, mindestens 35mal. Wer das tut, kann sich nicht überessen und nimmt leicht ab. Man isst zu viel, weil man sein Essen nicht gut kaut und deshalb dem Köper nicht die nötigen Nährstoffe zuführt. Mit anderen Worten: Der Körper braucht etwas, was jedoch nicht geliefert wird, und so verlangt er nach immer mehr Nahrung.

Will man abnehmen, so ist die beste Methode, das zu essen, was für das eigene System am besten passt. Wenn die Nahrung frisch und natürlich ist, richtig zusammengestellt und zubereitet, weder zu viel noch zu wenig gekocht und dann gut gekaut wird, dann wird man nicht zu viel essen oder Gewichtsprobleme haben. Zuviel zu essen, ist sehr ungesund und verursacht die Bildung von Fett, eines der mächtigsten Übel und Quelle vieler Krankheiten. Die meisten Menschen essen mehr als sie brauchen, deshalb sollte man sich beim Essen und Trinken beobachten und ein bisschen weniger zu sich nehmen, als es der Hunger verlangt.

Wenn man erst einmal Bescheid weiss über den Wert der Nahrung und wie man sie richtig zubereitet, dann sollte man lernen, wie man isst. Es ist sehr wichtig, vor dem Essen eine freundliche Atmosphäre zu schaffen. Bevor oder während man isst, sollte man keine Hektik verbreiten oder Spannung erzeugen. Man sollte beim Essen gute Laune ausstrahlen, denn selbst die Wissenschaftler von heute wissen, dass sich Nahrung, die man im Arger zu sich genommen hat, in Gift verwandelt. Das hat etwas mit dem Geist, dem Temperament zu tun, mit dem Drüsensystem und dem Körper als einem Ganzen. Man beobachtete verschiedene Familien, sammelte die Daten und fand folgendes heraus: Wenn die vorherrschende Stimmung bei Tisch nicht ruhig und freundlich war, oder wenn die Familienmitglieder eine unerfreuliche Diskussion führten, dann hatten sie später mit Magenverstimmung, Sodbrennen, übersäuertem Magen, Durchfall und Verstopfung zu kämpfen, auch wenn die bei fisch servierten Gerichte alle nötigen Nährstoffe enthielten. Wenn jemand ärgerlich und niedergeschlagen ist, kann er nicht genügend Speichel und Magensäfte produzieren. Stress, Angst und Arger greifen das Drüsensystem und seine Sekretionstätigkeit an. Ausserdem wird der Darm unter Stress entweder zu wenig oder zu stark angeregt, und das greift das gesamte Verdauungssystem an. Nahrung, die nicht richtig verdaut worden ist, kommt in diesem Zustand in den Dickdarm und wird dort von den Bakterien in toxische oder schädliche Stoffe verwandelt. Deshalb ist die Atmosphäre beim Essen genauso wichtig wie die Nahrung selber.

Man sollte niemals essen, wenn man nicht fröhlich gestimmt ist, ganz gleich wie hungrig man ist. Vergifte deinen Körper nicht, indem du den Esstisch zum Kampfplatz machst. Es ist sehr wichtig, dass man vor dem Essen eine liebevolle, freundliche Atmosphäre schafft. Man könnte z.B. ein freundliches Gespräch anfangen. Der beste Freund und der bedeutendste Arzt eines jeden ist die eigene Fröhlichkeit. So sollte man lernen, beim Essen freundlich zu sein, denn Freundlichkeit hervorzubringen, bedeutet schöpferisch zu sein. Man sollte das nicht einfach dem lieben Gott überlassen und sagen: “Lieber Gott, mach mich fröhlich”, das muss man selber tun. Seiner Natur gemäss hat das Universum eine Schöpfung von unendlicher Mannigfaltigkeit hervorgebracht, aber die Fröhlichkeit ist eine Schöpfung des Menschen. Früher pflegte man vor dem Essen immer ein Dankgebet zu sprechen. Diese Sitte ist Teil aller grossen Traditionen. Diese spirituelle Seite des Essens hat auch biologische Aspekte. Man wird ruhig und ermöglicht auf diese Weise Magensaftsekretion und Speichelfluss und fördert dadurch die Verdauung des Essens. Diese Sitte hilft auch, Spannungen zu lösen und bringt damit den Darm dazu, richtig zu arbeiten. So schaffen ein Tischgebet oder ein paar Augenblicke Stillschweigen, während man sich entspannt und tief atmet, einen Zustand der Harmonie, ein Gleichgewicht in Körper, Geist und Nervensystem. Wenn man dann isst, kann man wirklich mit Genuss essen. Man sollte das Essen nicht einfach so in sich hineinstopfen. Hastig zu essen, ist nicht gesund, es ist im Gegenteil sehr gefährlich.

Nach dem Essen ist es am besten, sich wenigstens 5 bis 10 Minuten lang auf der linken Seite ausgestreckt auszuruhen. Dadurch wird das rechte Nasenloch aktiv, schafft Wärme und die nötigen Bedingungen für eine gute Verdauung. Das ist eine grosse Hilfe. Eine halbe Stunde vor oder nach der Mahlzeit kann man Wasser trinken, aber während des Essens ist Trinken nicht zu empfehlen. Dies kann nämlich schädlich für die Gesundheit sein, da es eine Verdünnung und also Schwächung der Verdauuungssäfte bewirkt. Die Alten sagen auch, dass es gefährlich ist, direkt nach dem Essen schlafen zu gehen. Wenn man unmittelbar nach dem Essen schlafen geht, kann man nicht fertig verdauen, und das greift Herz, Kreislauf und autonomes Nervensystem an, und man träumt schlecht. Warum aber sollte man eine Situation schaffen, in der man Alpträume bekommen kann?

Noch etwas: Wenn man nicht zu viel isst und lernt, richtig zu atmen, kann man auch dem Schnarchen Vorbeugen. Die Menschen schnarchen aus zwei Gründen: weil sie Übergewicht haben oder müde sind. Auch sollte man nach dem Essen drei bis vier Stunden warten, bevor man sexuell aktiv wird, um dem Körper genug Zeit zur Verdauung zu geben. Wird man direkt nach dem Essen sexuell aktiv, lenkt man den Blutzufluss von den Verdauungsorganen weg zu anderen Teilen des Körpers, und die Verdauung bleibt unvollständig.

Es ist gesünder, Fruchtsäfte, Obst und andere Nahrung in kleinen Mengen mehrmals am Tage zu sich zu nehmen als sich zu überessen oder eine grosse, schwere Mahlzeit auf einmal einzunehmen. Aus Zeitmangel essen viele Geschäftsleute und berufstätige Menschen spät zu Abend. Das führt zu einer Belastung des Systems, weil nicht rechtzeitig vor dem Schlafengehen verdaut werden kann. Das Abendessen sollte sehr leicht sein. Mitternachtsmahlzeiten bringen den Körper durch – einander. Es ist auch sehr wichtig, seine Mahlzeiten zu festen Zeiten einzunehmen. Ich sammelte Daten speziell von Barangestellten, die spät nachts arbeiten sowie von Luftstewardessen, die internationale Flüge machen. Sie alle hatten eine unregelmässige Verdauung, und viele Stewardessen erzählten mir, dass immer dann, wenn sie ein unregelmässiges Leben führten, auch ihre Menstruation unregelmässig wurde. Nahrung und Schlaf beeinflussen den Körper. Wenn man zu festen Zeiten isst, arbeitet das System regelmässig aufgrund der regelmässigen Gewohnheiten. Unregelmässige Mahlzeiten zu ungünstigen Tageszeiten bewirken Säurebildung im System. Aber auch von anderen zahllosen Krankheiten werden unregelmässige Esser heimgesucht.

Wenn man aber all diese kleinen Vorsichtsmassnahmen ergreift und die genannten Methoden anwendet, kann man Verdauungsstörungen und andere Krankheiten vermeiden und sich guter Gesundheit erfreuen. Das sind die Dinge, die jeder wissen sollte. Sie sind es, die den Menschen vom Tier unter – scheiden. Wenn jemand ein Gericht vor sich hat, kann er sagen: “Das esse ich nicht, es ist nicht gesund für mich.” Wenn einem der Arzt sagt, dass man etwas nicht essen soll, so wird man es nicht essen, ganz gleich, wie köstlich das Gericht sein mag. Aber Tiere und Kinder können das nicht. Sie haben nicht genug Verstand oder Training. Verständige Menschen hingegen merken, wenn sie schlecht essen oder plötzlich anfangen, zu viel Wert aufs Essen zu legen, und daraufhin können sie ihre Verhaltensweisen ändern. Die Alten bereiteten und assen ihre Mahlzeiten als etwas, das sie Gott darbrachten, der es für sie, seine Werkzeuge geschaffen hatte. Es ist wichtig, gesund zu bleiben, wenn man das Werkzeug des Herrn sein und seine Pflichten selbstlos tun will. Für die Menschen, die das Geheimnis des Lebens verstehen, wird das tägliche Leben zu einem Akt der Anbetung.

Zurück zur Übersicht

Zurück zur Startseite