Es gibt fünf Arten von Gedankenmustern — einige sind hilfreich und andere sind schädlich

von Swami Rama

Swami Rama mit Hund

Dies ist ein Auszug aus dem Buch “Yoga – Lebenskunst und Erleuchtungsweg” von Swami Rama (siehe Bücher von Swami Rama)

Patanjali sagt, dass es fünf Arten von Gedankenmustern oder Modifikationen des Geistes gibt. Vrittayah panchatayyah klishtaklista. Diese lassen sich in zwei Typen unterteilen: klishta und aklishta – hilfreich und schädlich. Die fünf Arten sind: pramana (wahres Wissen), viparyaya (unwahres Wissen), vikalpa (Fantasie), nidra (Schlaf) und smirti (Erinnerung). Einige davon sind hilfreich und einige sind schädlich, eine Quelle ständiger Verwirrung. Ein guter Gedanke steigt in eurem Geist auf: „Ich sollte meditieren.“ Das ist hilfreich. Ein anderer Gedanke kommt hinzu: „Ich würde lieber schlafen. Was nützt Meditation?“ Faulheit! Okay. „Ich bin noch so jung. In 10 oder 15 Jahren, wenn ich alt werde, kann ich immer noch meditieren.“ Ausrede! Ihr müsst begreifen lernen, welche besondere Gedankenform hilfreich ist und welche nicht, welche eine Quelle für Verwirrung ist und welche eine Quelle für euren Fortschritt.

Wahres Wissen ist dasjenige Wissen, das euch hilft, das Dunkel der Unwissenheit aufzulösen. Wahres Wissen hilft euch, Dinge so zu sehen, wie sie in ihrer Gänze wirklich sind. Hier ist eine andere Definition: Wenn ihr nur einen Teil des Geistes kennt, dann ist das kein wahres Wissen, weil ihr den Geist nicht in seiner Gänze kennt. Wahres Wissen bedeutet daher, den Geist in seiner Ganzheit zu kennen. Wahres Wissen wird pramana genannt, weil es auf Tatsachen beruht. Das, was mit Evidenz feststeht, wird pramana genannt. Es gibt drei Arten von pramana: (1) direkte Erfahrung, (2) Wissen aus den Schriften und (3) Wissen aufgrund von Bezeugung und Schlussfolgerung.

Wie könnt ihr wahres Wissen von etwas erlangen? Wenn ihr etwas direkt erfahrt oder wahrnehmt, was durch die Autorität der Schriften bestätig wird, so wird das pramana genannt. Im weltlichen Zusammenhang ist wahres Wissen dasjenige Wissen, das durch eine der drei Arten des Beweises bestätigt wird, (l.) Direkter Augenschein: Ich sehe, dass dies eine Wandtafel ist. Dafür muss ich keine Schriften zu Rate ziehen, um zu wissen, dass das hier eine Wandtafel ist, weil ich das unmittelbar sehe. Es gibt kein Hindernis für meine Wahrnehmung, und daher kann ich sehen, dass das wahres Wissen ist. (2.) Wenn ich nicht beweisen kann, dass dieses hier eine Wandtafel ist, wenn ich daran noch zweifle oder wenn ihr mich verwirrt, indem ihr behauptet, dass dies keine Wandtafel sei, dann werde ich den Teil der Schriften studieren, der mir helfen kann, das gesicherte Wissen zu erlangen, dass dies eine Wandtafel ist. Ich werde mir die dafür wesentlichen Merkmale ansehen. Wenn ich dann alle Beweise zusammengetragen habe, dann weiß ich, dass dies eine Wandtafel ist. Das wird wahres Wissen genannt. (3) Wissen aufgrund von Bezeugung und Schlussfolgerung: Wenn z. B. weit entfernt in den Bergen Rauch zu sehen ist, dann könnt ihr daraus schließen, dass dort ein Feuer brennt, weil Rauch eines der sicheren Anzeichen für Feuer ist. Wenn ihr Rauch direkt unterhalb des Berges seht, auch wenn dort kein Feuer zu sehen ist, dann sagt euch der Rauch, dass dort ein Feuer ist. Wenn ihr gestützt auf eine der drei Arten des Beweises etwas wisst, dann ist das wahres Wissen.

Wenn ihr etwas nicht in seiner passenden Form seht und ihr dem keinen bestimmten Namen geben könnt, dann ist es unwahres Wissen oder viparyaya. Unwahres Wissen ist solches Wissen, das durch nichts bestätigt wird. Wenn ich während einer Fahrt durch die Wüste Durst verspüre und dann meine, in der Ferne Wasser zu sehen und dorthin fahre, aber kein Wasser finde, dann ist das unwahres Wissen. Eine Fata Morgana ist unwahres Wissen. Es gibt etwas Substanzielles in eurem Geist und auf dessen Grundlage seht ihr Wasser. Entstelltes oder verdrehtes Wissen ist viparyaya. Viele Leute begreifen den Unterschied nicht zwischen viparyaya und Hirngespinsten. Ihr wisst, wie eine Schlange aussieht. Wenn ihr in der Dunkelheit ein Tau seht und das für eine Schlange haltet, das ist viparyaya. Viparyaya ist das Wissen, das eine substanzielle Grundlage hat, obwohl es kein wirkliches Wissen ist. Hirngespinste sind etwas vollkommen anderes. Hirngespinsten sind Geschöpfe eines verwirrten Geistes.

Es gibt auch einen kleinen Unterschied zwischen Imagination und Hirngespinsten. Imagination bedeutet, ein inneres Bild, eine Vorstellung zu haben. Wenn ich eine kleine Harfe habe, dann kann ich mir eine größere Harfe vorstellen, die klangvoller ist. Imagination kann man nicht als Hirngespinst bezeichnen. Man kann nicht jede Art von Imagination negativ bewerten, weil sie auch kreativ sein kann. Was ist der Unterschied zwischen Imagination und Hirngespinsten. Wie entwickelt ihr irgendwelche Hirngespinste? Ich möchte euch ein Beispiel geben. Hier ist ein Hirngespinst:

Ich bin sehr sauer auf den Herrn der Götter. Was soll ich tun? Wie kann ich kämpfen und womit? Ich traf eine unfruchtbare krau. Ich ging zum Sohn dieser Frau und bat ihn, für mich zu kämpfen und er bereitete sich darauf vor. Dann nahm ich Pfeile und einen Bogen, gefertigt aus den Hörnern eines Esels, und gab sie diesem Sohn. Er flog weit weg, durchquerte alle Schichten des Himmels und alle Galaxien und begab sich zum Herrn der Götter. Er tötete ihn und kann zu mir zurück.“

Das ist alles reinste Fantasie, ein Hirngespinst. Es kann keinen Sohn einer unfruchtbaren Frau geben und Esel haben keine Hörner. Man kann also Pfeil und Bogen nicht aus den Hörnern eines Esels herstellen. Wenn eine Frau unfruchtbar ist, dann kann sie auch keinen Sohn gebären, der dann fliegen und töten könnte. Das meint man mit Hirngespinst. Ein Hirngespinst ist eine reine Schöpfung des Geistes. Es ist ohne jeden Bezug auf irgendetwas Reales.

Ihr solltet nicht zulassen, dass euer Geist in Hirngespinste flüchtet. Wenn euer Geist fortfährt, alles Mögliche zu fantasieren, wird er diese Gewohnheit ausbilden. Beides, Imagination und reine Fantasie bzw. Hirngespinste sind Produkte eines müßigen Geistes. Ich habe keine Zeit, um Hirngespinsten nachzugehen.

Ich kann das zwar besser als ihr, aber ich habe keine Zeit dafür. Ich habe so viel Arbeit, dass ich mich oft frage, ob ich fähig sein werde, das alles noch zu vollenden. Ich kann keine Ruhepause einlegen und gut essen, weil ich meine Aufgaben erledigen muss. Würdet ihr euch einen Lebensplan erstellen, dann gäbe es keine Zeit, um Hirngespinsten nachzujagen. Im Alter wird der Geist genauso stark in Fantasiewelten verstrickt, wie das bei Jungen und Mädchen der Fall ist. Das sind Bewegungen des Geistes, die nicht hilfreich sind.

Schlaf und Erinnerung können euch ebenfalls schaden, sofern ihr keine Kontrolle über sie habt. In Wirklichkeit ist Schlaf einer der Zustände des Geistes: Wachen, Träumen und Tiefschlaf. Philosophisch betrachtet ist Tiefschlaf also keine geistige Aktivität. Patanjali möchte aber mit seiner praktischen Herangehensweise gern euer Verständnis dafür wecken, dass ihr euren Schlaf lernen könnt genauso zu kontrollieren, wie ihr alle Bewegungen des Geistes zu kontrollieren versucht. Patanjali sagt, dass alles, was von euch kontrolliert werden kann, eine Aktivität ist, und daher solltet ihr es aus praktischer Sicht als Aktivität ansehen. Patanjali behauptete nie, dass der Wachzustand kontrolliert werden könnte. Er spricht in besondere Weise über den Schlaf. Schlaf wird genannt, was von Trägheit und Nichtstun umhüllt wird.

Wenn ihr tief schlaft, dann vergesst ihr alles um euch herum vollkommen. Obwohl ihr jeden Tag schlaft, habt ihr während des Tiefschlafs kein Gewahrsein von irgendetwas. Ihr verliert das Bewusstsein in Bezug auf jegliche Tatsachen, weil der bewusste Geist während des Tiefschlafs nicht funktioniert. Wenn er nicht funktioniert, dann nehmt ihr überhaupt nichts mehr wahr. Während des Tiefschlafs gibt es nichts, was im Geist vorginge. Wenn ihr weit weg seid von der Welt der Fakten, und wenn eure Sinne, die euch im Wachzustand helfen, mit der Welt um euch herum Verbindung aufzunehmen, in der Außenwelt nicht mehr funktionieren, dann sollte der Geist im Inneren tätig sein. Das geschieht aber im Tiefschlaf nicht. Der Geist nimmt auch keinen Kontakt auf mit eurer Erinnerung. Bevor ihr in den Tiefschlaf fallt, wird euer Geist träge, euer Bewusstsein beginnt wegzugleiten, und ihr sollt die Dinge in einer unklaren, verdrehten Weise. Als ich früher einmal wissen wollte, was Schlaf ist, da konnte ich nicht schlafen. Drei Tag lang blieb ich sehr wach, weil ich beobachten wollte, was geschieht, wenn der Tiefschlaf kommt, aber der Schlaf kam nicht.

Der Tiefschlaf kann mit dem Tod verglichen werden. Der Tiefschlaf wird sahodari genannt, die Schwester des Todes. So wie uns der Schlaf von vielen bedrückenden Lasten befreit, so verschafft uns auch der Tod Erleichterung. Der Tod ist ein langer Schlaf, und Schlaf ist ein kleiner Tod. Ihr schlaft acht Stunden lang. Im Tod schlaft ihr einhundert Stunden, einhundert Tage, einhundert Monate oder einhundert Jahre. Tod ist ein langes, tiefes Ruhen. Nach dem Schlaf wacht ihr auf; der Tod bedeutet, dass ihr nicht wieder aufwacht. Das ist der Unterschied.

Es gibt vier Arten des Schlafes, (l.) Das erste ist der gewöhnliche Schlaf. Ihr geht schlafen, wenn ihr müde seid, und ihr wacht müde wieder auf. Die Ruhe sollte eurem Gesicht eigentlich ein sehr sanftes Aussehen gegeben haben, wenn ihr jedoch am Morgen aufsteht, dann sieht euer Gesicht aus, als ob ihr nicht geruht hättet. Das bedeutet, ihr hattet keinen erholsamen Schlaf. Ihr wollt zwar keinen gestörten Schlaf haben, aber ihr seid gestört. Wer stört euch im Schlaf? Ein Teil von euch wünscht zu schlafen, aber ein anderer Teil von euch stört euch.

(2.) Die zweite Art des Schlafes ist ein shvan-nidra, ein Nickerchen, wie Hunde es zuweilen zwischendurch machen. Das kann man ebenfalls praktizieren. Die Art und Weise, wie Hunde ein Nickerchen nehmen, ist sehr interessant. Hunde machen immer nur ein Nickerchen, sie schlafen nie. Dieser kurze Schlaf ist für sie ausreichend, weil er so tief ist, weil das Gehirn des Hundes während dieser Zeit zu einhundert Prozent Delta-Wellen erzeugt, ein sicheres Zeichen für tiefen Schlaf. Wenn ihr neben dem Hund ein Geräusch macht, kurz nachdem er in Schlaf gefallen ist, dann wird er aufschauen und hierhin und dorthin schauen, und nur eine Sekunde später wird er schon wieder zurück sein in den Delta-Wellen. Menschen können das nicht. Aber ihr könnt die Art des Schlafes üben, die man bei Hunden beobachten kann. Das könnt ihr zehn bis zwanzig Mal pro Tag machen, nur für jeweils eine Minute. Wann immer ihr dafür Zeit habt, könnt ihr euch entspannen und euch in einen kurzen Schlaf begeben.

(3.) Die dritte Art des Schlafes ist der schlaflose Schlaf; das ist tiefe Meditation oder samadhi. Ich bin Menschen begegnet, die von sich behaupten, dass sie überhaupt nicht schlafen. Sie benötigen keinen Schlaf. Sie sagen, dass man keinen Schlaf braucht, wenn man die Kunst des entspannten Handelns beherrscht, die Methode, sich auszuruhen, während man aktiv ist.

(4.) Obwohl der Schlaf im Normalfall nicht unter eurer Kontrolle ist, gibt es eine Methode des willentlichen Schlafs, nach der man überall schlafen kann, wo man möchte und wann immer man es wünscht. Das ist die vierte Art des Schlafs, Yoga-nidra, oder bewusster, kontrollierter Schlaf. Wenn ihr nach dem gewöhnlichen Schlaf erwacht, dann sagt ihr manchmal, dass ihr wunderbar geschlafen habt, weil ihr nicht gestört wurdet. Tatsächlich habt ihr geschlafen und dass ihr gut geschlafen habt, wisst ihr nur, weil ihr nicht gestört wurdet. In Yoga-nidra könnt ihr schlafen und gleichzeitig euren Schlaf bewusst genießen.

Bewusster oder yogischer Schlaf ist die beste Art des Schlafs. Ich beneidete einige meiner Lehrer, die nur ein oder zwei Stunden schliefen, obwohl sie sehr hart arbeiteten. Es ist möglich, diese Art des Schlafs zu lernen, der Schlüssel dazu ist aber nicht der unbewusste Geist. Der Schlüssel ist der bewusste Geist. Wenn ihr das richtig versteht, dann könnt ihr euch in einen Zustand des bewussten Schlafs begeben und eurem Geist eine bewusste Ruhe verschaffen. Diese Übung erfordert nicht viel Zeit. Es ist auch nichts besonders Fortgeschrittenes, so dass ihr, um es zu lernen, ein Swami werden oder euer Zuhause verlassen müsstet. Ihr schlaft jeden Tag. In Yoga-nidra werdet ihr die vollkommenste Erholung finden, die euch Schlaf geben kann, und das wird unter eurer bewussten Kontrolle sein. Wenn ihr schlafen wollt, dann könnt ihr schlafen, wenn ihr nicht schlafen wollt, dann werdet ihr nicht schlafen. Die Zeit des Schlafs unterscheidet sich von der Zeit für die Yoga-nidra-Übung. Ihr habt durch Gewohnheit gelernt, zu einer bestimmten Zeit zu schlafen. Nutzt diese Zeiten nicht für Yoga-nidra. Praktiziert Yoga-nidra gesondert zu anderen Zeiten. Ihr werdet es innerhalb eines Monats beherrschen und könnt dann andere darin unterrichten.

Als ich jung war, sagte ich mir: „Diese Technik will ich doch mal untersuchen, um zu prüfen, ob die Schriften Unwahrheiten verbreiten. Sollte das der Fall sein, dann werde ich ihnen sagen, dass es zu nichts gut ist, solche Geschichten zu erzählen und uns damit Probleme zu bereiten.“ So begann ich, die Methode des bewussten Schlafs zu erlernen. Wenn ich jetzt fest schlafe und Leute sich in meiner Nähe unterhalten, dann kann ich, was sie sagen, wiedergeben, und das selbst dann, wenn sie Hebräisch reden, was ich nicht verstehe, so dass ich nicht weiß, was sie sagen. Eine halbe Stunde lang danach kann ich wiedergeben, was ihr während meines Schlafs gesagt habt, und zwar Wort für Wort genauso, wie ihr es gesagt habt und ganz gleich, was ihr gesagt habt. Im Tiefschlaf kann ich Sachen sogar besser aufnehmen als im Wachzustand. Ich habe mich selbst darin geübt und es dann wissenschaftlich testen und belegen lassen, um heraus zu finden, wie ich andere darin unterrichten kann.25 Der Geist verfügt über ungeheure Fähigkeiten.

Wer den Schlaf zu kontrollieren weiß, der ist ein Yogi. Wer den Schlaf nicht unter seine Kontrolle bringen kann, der ist kein Yogi. Yogis praktizieren die Technik des Yoga-nidra, um Kontrolle über ihren Schlaf zu erlangen. Sie begeben sich in einen Zustand der Meditation und der bewussten Kontrolle der Funktionsweise des bewussten Geistes, und dann geben sie sich ganz der Ruhe hin. Während sie vollkommen ausruhen, bleiben sie gleichzeitig voll bewusst. Sie sind aller Dinge vollkommen gewahr, die um sie herum vorgehen. Solche Menschen können die Achtsamkeit auf einem unbewussten Niveau aufrecht erhalten, wenn der bewusste Geist zu funktionieren aufhört, während er den Körper verlässt. Sie praktizieren Yoga-nidra, während sie den Körper verlassen, so dass ihre Achtsamkeit nicht schwindet. Während des Todes versagt der bewusste Geist und der unbewusste Geist wird zum Fahrzeug für die Seele auf der Reise zu subtileren Bereichen. Ich habe Yogis erlebt, die ihren Körper in vollständig bewusstem Zustand verlassen haben. Was sie auf diese Weise während des Todes erfahren, das praktizieren sie an sich selbst Tag für Tag. Indem sie Kontrolle über den Schlaf erlangt haben und die Kunst des Schlafes kennen, können sie sogar das kontrollieren, was man gemeinhin den Tod nennt.

Das Erste, was uns in unserer Tradition in einem Kloster gelehrt wird, ist die Technik des bewussten Todes: wie man den Körper ablegen und wieder in ihn zurück kommen kann. Den Körper zu verlassen, ist für einen Yogi eine Sache des Willens. Es ist etwas anderes als ein Tod, wenn sich eine Krankheit entwickelt und euch Schmerzen bereitet hat. Für den Prozess des willentlichen Verlassens des Körpers verwenden wir nicht das Wort Tod. Wir nennen das maha-samadhi. Maha bedeutet „groß“. Es ist eine willentliche Sache, die ein Yogi beherrscht, wenn er fortgeschritten ist und den höchsten Zustand des samadhi erreicht hat. Das ist die Technik des Todes – sterben zu lernen. Gewöhnliche Menschen verstehen das nicht. Ihr baut Krankenhäuser für die Geburt und werdet nach dem Tod ins Leichenschauhaus gebracht, weil es für den Tod keine anderen Vorkehrungen gibt. So wie es Vorkehrungen gibt für die Geburt, ganz ebenso sollte es Vorbereitungen für den Tod geben. Die Yogis, die begriffen haben, dass der Körper einer Kleidung gleicht, legen diese Kleidung schweigend und ohne Schmerzen oder Unbequemlichkeiten ab, wenn sie nicht mehr zu gebrauchen ist. An dem Tag, an dem die Menschheit beides, Geburt und Tod, begreift, wird es weniger Leid geben.

Ich kannte einen Swami, Vinaya Maharaj mit Namen, der immer zu schweigen pflegte. Er war ein großer Lehrer und ein sehr praktischer Mensch. Ich war, als ich ihm begegnete, gerade erst sechzehn Jahre alt. Er war vollkommen nackt und auf dem Weg in den Himalaya.

Es war Winter und einen seiner Finger hielt er in einer bestimmten Position und gestikulierte mit ihm. Ich kam aus der anderen Richtung und blieb vor ihm stehen, um ihn aufzuhalten. Ich grüßte ihn und sagte: „Was bedeutet diese Geste mit deinem Finger?“

Er sagte: „Diese Geste zeigt, dass es nur ein Absolutes gibt ohne ein Zweites. Diese Geste ist nicht für mich gedacht. Sie soll andere daran erinnern. Alle deine Gesten sind nicht für dich bestimmt, sie sind für andere gemeint.“

Ich fing an, diesen Menschen gern zu haben. Wo immer er ging, behielt er die gleiche Geste bei. Und wann immer er sich setzte, schloss er seine Augen und begab sich in einen Zustand tiefer Meditation. Er besaß nichts, nicht einmal ein Gefäß mit Wasser oder etwas zum Anziehen. Er pflegte vollkommen nackt an den Ufern des Ganges entlang zu laufen. Dort gab es keine Menschen, außer einigen Swamis, die herumwanderten und einander trafen.

In Allahabad, wo in jenen Tagen das Kumbha Mela  stattfand, sagte er: „Du bist eingeladen, Zeuge meines samadhi zu sein.“

Weil er ein Schüler meines Meisters war, fragte ich ihn: „Soll ich etwas dafür vorbereiten?“

Er sagte nur. „Ich möchte, dass du Zeuge bist und aufpasst, dass ich nicht durch andere Leute gestört werde. Morgens um exakt halb fünf werde ich samadhi erlangen. Du solltest das zum Nutzen der Schüler protokollieren.“

In unserer Tradition sollten mindestens fünf Menschen Zeuge des maha samadhi sein, dann werden die Namen der Zeugen und der Vorgang in den klösterlichen Annalen festgehalten. Ich fand mich dort zusammen mit vier anderen Zeugen um halb vier ein. Er begann eine Diskussion über Vedanta und die Yoga-Sutras. Dieser Swami, der sonst immer nur geschwiegen hatte, sagte: „Fragt mich, was ihr wollt.“

Er beantwortete alle Fragen richtig, und manchmal lachte er dabei. Es gab keinerlei Anzeichen, dass er gleich seinen Körper verlassen würde. Zu genau der vorher bestimmten Zeit sagte er: „Ich wünsche euch viel Glück. Möget ihr alle den höchsten Zustand erlangen und mir eines Tages auf die gleiche Weise folgen. Om.“

Und damit verließ er seinen Körper, gerade so, wie ihr ein Kleidungsstück wegwerft, das ihr im Leben nicht mehr braucht. Die Glücklichsten sind jene, denen die Geheimnisse von Tod und Geburt offenbart worden sind. Er war einer von ihnen.

Es besteht ein Unterschied zwischen Schlafen und Träumen. Träumen ist ein Zwischenzustand zwischen Schlafen und Wachen. Es ist wie ein Übergang, durch den hindurch ihr euch zu einem tieferen Zustand des Rühens begebt, den man Schlaf nennt. Einige Vorstellungen aus der äußeren Welt und einige Eindrücke aus der unbewussten Welt vermischen sich miteinander, wenn euer bewusster Geist ruht. Dieser Zustand ist der Traumzustand. Ich habe sehr viel über den Geist und die Träume gearbeitet. Ich habe mich bemüht, sie aus unterschiedlichen Perspektiven zu untersuchen, um herauszufinden, wie anderen geholfen werden kann.

Der Schlaf kann nach Wunsch bestellt werden, Träume aber nicht. Wenn ihr heute von eurem Freund träumen wollt, dann wird euch das nicht gelingen. Ihr werdet dann gar nicht erst einschlafen und wenn ihr nicht schlafen könnt, dann könnt ihr auch nicht träumen. Versucht es! Wenn ihr einige Zeit lang an euren Freund denkt, und euch dann mit irgendetwas anderem beschäftigt, dann kann der Eindruck, den ihr in eurem unbewussten Geist gespeichert habt, als Traum an die Oberfläche aufsteigen. Solange wie ihr euch einer Sache bewusst seid, so lange könnt ihr davon nicht träumen.

Indem ihr einen Traum interpretiert, könnt ihr etwas über diesen Traum erfahren. Aber in eurem unbewussten Geist sind Millionen von Eindrücken gespeichert. Heute träumt ihr von der einen Sache und morgen von einer anderen und am Tag darauf wieder von einer anderen. Es ist nicht erforderlich, dass ihr den Grund für eure Träume kennt. Oft steigt ein Eindruck aus dem latenten Teil eures unbewussten Geistes auf und dann träumt ihr das. Es ist nicht möglich, alle Träume in geordneter Weise zu klassifizieren. Manchmal habt ihr einen prophetischen Traum und dann wieder einen anderer Art. Manchmal habt ihr ein und denselben Traum mehrfach hintereinander. Eure Ängste und Befürchtungen können die Ursache für solche Wiederholungen sein.

Für einen kranken Menschen ist es wichtig zu träumen, nicht aller für eine sehr gesunde Person. Kranken Menschen helfen Träume, ihre Emotionen heraus zu lassen. Wenn dem Träumenden erlaubt wäre, das wirre Zeug zu tun, das er oder sie sich im Traum wünscht, dann herrschte in der Gesellschaft Chaos. Daher ist es besser, dass das Träumen ihm oder ihr hilft, diese krankhaften Emotionen aufzuarbeiten. Für eine sehr gesunde Person, die verstanden hat, was die Zustände des Wachens, Schlafens und Träumens bedeuten, sind Träume reine Zeitverschwendung. Ihr wünscht zu schlafen, und stattdessen erhaltet ihr Träume. Für jemanden mit unterdrückten Emotionen ist es hilfreich, diese Emotionen, die fürs tägliche Leben nicht hilfreich sind, im Traum heraus zu lassen. Ich selbst träume nur sehr selten, weil ich sehr wenig schlafe. Ich habe nicht viel Zeit, und daher habe ich keine Zeit zum Träumen.

Träume können euch Symptome eurer verborgenen Persönlichkeit offenbaren. Verborgene Wünsche, die im Wachzustand nicht erfüllbar sind, streben danach, sich durch Träume selbst zu erfüllen. Träume berichten euch von der Qualität eurer Gedanken, eures inneren Charakters, eurer Vergangenheit. Durch die Untersuchung der Träume könnt ihr eine der Ebenen eures inneren Seins erkunden. Ihr könnt die Bilderwelt eines Traumes im Wachzustand anschauen und euch selbst helfen, indem ihr den natürlichen Prozess eures Denkens beobachtet. Einige Träume erinnert ihr und andere nicht. Die nicht erinnerten Träume sind manchmal durch Störungen der Verdauung verursacht, wie z. B. durch die schlechte Gewohnheit des übermäßigen Essens spät abends.

Ihr könnt versuchen, Menschen zu helfen, während sie tief schlafen, wenn der bewusste Geist schläft. Wenn eure Partner starrköpfig sind und emotionale Probleme haben, dann könnt ihr mit euren Partnern reden, wenn sie im Tiefschlaf sind, und ihr werdet beobachten, dass sie alle eure Gedanken empfangen. Ihr könnt sogar mit jemandem kommunizieren, der während des Schlafs weit von euch entfernt ist. Um das zu tun, solltet ihr voll bewusst sein. Ihr könnt eurem Freund sogar zu einem Traum verhelfen unabhängig davon, wo er oder sie sich befindet. Ich habe das viele Male überprüft. Das klappt aber nur mit Menschen, die ihr kennt, nicht mit Fremden. Und es funktioniert nicht, solange die anderen Personen bei Bewusstsein sind, aber es klappt ganz sicher, wenn sie tief schlafen und der bewusste Geist still ist. In dieser Zeit könnt ihr eure Gedanken senden, und es ist leicht für den anderen, eure Gedanken zu empfangen, wenn sich sein Geist in einem ruhigeren Zustand befindet. Wenn ihr euch nachts um zwei Uhr hinsetzt und jemandem eure Gedanken sendet, dann wird sein Schlaf umgehend gestört. Wenn ihr das wieder und wieder tut, dann wird er einen Traum haben. Ich sage das nicht auf der Grundlage von etwas, was ich in Büchern oder in Schriften irgendwelcher Leute gelesen habe. Ich lehre das auf der Grundlage meiner eigenen Erfahrungen und des Wissens aus Schriften jener Menschen, die selbst wirklich praktiziert und ihre Zeit diesem Gegenstand gewidmet haben.

Schlafen zu lernen hat sich als sehr nützlich erwiesen. Wenn Kinder tief schlafen und ihr Geist zur Ruhe gekommen ist, dann könnt ihr ihnen Gedanken senden, um ihnen so in ihrer Entwicklung zu helfen, und ihr könnt sie so unterrichten. Mental schwach entwickelten Kindern und vor allem Kindern, deren bewusster Geist nicht trainiert ist und mit dem unbewussten Geist nicht kommuniziert, kann so geholfen werden. Darüber kann man einiges in der Mahabharata27 lesen.

Arjuna, der große Krieger der Schlacht in der Mahabharata, war verheiratet. Als seine Frau schwanger wurde, kam er vom Schlachtfeld zurück, um ihr beizustehen. Er wollte die ganze Zeit die Techniken des Kampfes diskutieren. Sie aber mochte ihm nie gern zuhören. Er sagte: „Bitte hör mir zu: Du bist schwanger. Indem ich dir diese Dinge berichte, wird unser Kind ausgebildet. Bitte hör mir zu. Ich beschreibe dir diese Kampfweisen, so dass mein Kind davon lernt.“

Sie fragte ihn: „Wie sollte das möglich sein?“

Er sagte: „Schreib auf, was ich dir sage.“ Er beschrieb die Technik, wie man eine Festung baut, so dass der Feind nicht angreifen kann. Er wollte ihr noch erklären, wie man die Festung eines Gegners zerstören kann, aber er konnte das nicht zu Ende bringen, weil sie da schon eingeschlafen war. Im Alter von 12 Jahren konnte ihr Kind, Abhimanyu, mit Leichtigkeit eine Festung konstruieren, die der Feind nicht zerstören konnte. Das konnte er vermöge der feinen samskaras, die durch seine Mutter geformt wurden, als er noch in ihrem Schoß war.

Vom ersten Tag der Schwangerschaft könnt ihr euer Kind unterrichten. Wenn ihr schwanger seid, solltet ihr nichts Negatives denken. Ihr solltet nicht depressiv sein und ihr solltet nicht emotional werden, weil alle diese Probleme das Kind belasten werden. Es gibt eindeutig Wege, ein Kind zu erziehen, selbst schon im Mutterleib. Smriti bedeutet „Gedächtnis“. Ihr solltet den Prozess des Gedächtnisses verstehen und auch, wie es funktioniert, dass ihr etwas erinnert. Zuerst seht ihr etwas. Durch den Kontakt eurer Sinne mit diesem bestimmten Gegenstand entsteht bei euch ein Eindruck. Ihr seht diesen Gegenstand. Das Objekt, das durch euren Blick berührt wird, vermittelt euch einen Eindruck, und der gelangt als Empfindung durch euren Sehnerv in euer Gehirn. Wenn euer bewusster Geist das alles empfängt, dann sinkt es ab in euer Unbewusstes, zum Grund eurer Erinnerung, von wo ihr es wieder abrufen könnt.

Nehmen wir einmal an, dass meine Augen euch heute sehen, und dass diese Empfindung von meinem Geist aufgenommen wird und sehr kraftvoll ist. Sie enthält alle Formen und alle Einzelheiten von euch. Wenn ich euch sehe, dann leitet mein Sehnerv diese Empfindung oder diesen Eindruck über die Kanäle des Nervensystems an mein Gehirn weiter. Da die ursprüngliche Empfindung eine Form hat, wird der Eindruck von eurer Form, den ich über meine Sinne empfange, in meinen bewussten Geist eingespeist; von dort aus sinkt er in den unbewussten Geist ab, wo er im Lagerhaus meiner Erinnerung aufbewahrt wird. Wenn im Nervensystem etwas nicht stimmt, dann kann ich eure Form nicht erinnern. Wenn ich euch nach einiger Zeit erneut sehe, dann erinnere ich mich, dass ich euch früher schon gesehen habe, weil der Eindruck im unbewussten Geist gespeichert worden war. Alle Gedanken lagern in dieser Weise im Unbewussten. Wenn ich mir eine Empfindung in Erinnerung rufen möchte, kann ich sie vom Grund der Erinnerung wieder aufrufen. Dann vermag ich euch genau zu sagen, dass ihr an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Pose in einer bestimmten Reihe gesessen habt und dass ihr eine bestimmte Kleidung trugt.

Das Gedächtnis kann als hilfreich und nicht hilfreich unterteilt werden. Manchmal erinnert ihr etwas, was nicht hilfreich ist. Während ihr z. B. euer mantra memoriert, geht in eurem Geist eine Filmmelodie um und um. Ihr singt etwas anderes und nicht euer mantra. Die Erinnerung sollte daher ebenfalls kontrolliert werden. Wenn ihr eure Erinnerung nicht unter Kontrolle habt, dann wird sie euch nicht helfen, wenn ihr sie benötigt. Ihr solltet nicht sagen: „Ich habe eine Freundin, aber ich habe ihren Namen vergessen.“ Oder: Ich habe dieses Buch gelesen, aber ich weiß nicht mehr, worum es darin geht.“ „Oh, neulich habe ich es noch gewusst, aber heute habe ich es vollkommen vergessen.“ Ihr lernt das ganze Jahr hindurch, wenn ihr aber dann eure Prüfungsarbeit zu schreiben beginnt, dann hilft euch eure Erinnerung womöglich nicht. Ihr sorgt dafür, dass euer bewusster Geist, der Teil eures Geistes, den ihr im täglichen Leben benutzt, andauernd sehr beschäftigt ist. Viele Male legt ihr irgendetwas wissentlich, also bewusst irgendwo hin, und dann vergesst ihr es doch. Ihr vergesst es, weil euer Geist in diesem Augenblick meint, dass es nicht so wichtig sei. Wenn es dann wieder wichtig wird, dann stellen sich Anspannung und Verwirrung ein, und das erzeugt eine Blockade in eurem Geist. Angenommen, ihr habt eure Schlüssel verloren. Wenn ihr euch deswegen Sorgen macht und euren Geist antreibt, möglichst schnell die Schlüssel zu finden, dann könnt ihr euch nicht erinnern. Wenn ihr euch zu erinnern bemüht, wo die Schlüssel sein könnten, dann kämpft ihr mit euch selbst und strapaziert euren Geist. Ihr verwirrt euren Geist und verliert den Kontakt zum Grund der Erinnerung. Indem ihr euren Geist unter Druck setzt, erlaubt ihr eurer Erinnerung nicht, ganz spontan in den bewussten Geist aufzusteigen. Wenn ihr euch entspanntet, dann würdet ihr euch erinnern, wo die Schlüssel liegen. Wenn ihr euch in einer solchen Situation befindet, dann sagen die Leute meistens: „Entspanne dich. Wir werden sie gleich finden.“ Ihr geht zur Toilette und plötzlich erinnert ihr euch, wo ihr die Schlüssel hingelegt habt. Die meisten Dinge, die ihr vergessen habt, fallen euch auf der Toilette wieder ein. Das heißt nicht, dass die Toilette der beste Ort für die Erinnerung ist, sondern nur, dass ihr euch dort entspannt, weil ihr euren Organismus von Unrat befreit. Toxische Stoffe, die sich im Körper angesammelt haben, können die Erinnerung stören. Je besser ihr euch von diesen toxischen Stoffen befreit, desto besser wird eure Erinnerung werden, und umso leichter werdet ihr euch entspannen können. Der beste Weg, etwas zu wissen, ist, es einfach zu wissen. Kämpft nicht und setzt euch nicht unter Druck. Konzentration bedeutet nicht, sich unter Druck zu setzen. Es gibt da einen Prozess. Wenn ihr euch auf diesen Prozess einlasst, dann seid ihr gut vorbereitet, euch zu konzentrieren. Ihr habt Schwierigkeiten, euch zu konzentrieren, weil ihr verwirrt seid und euch nicht gut genug vorbereitet habt. Ihr habt euch nicht selbst ausgebildet, sondern bemüht euch, euch zu konzentrieren, und daher geratet ihr in Verwirrung und setzt euch immer mehr und mehr unter Druck.

Ihr vergesst unbedeutende Dinge, die tief eingeprägten samskaras oder Eindrücke im Geist jedoch vergesst ihr nicht. Wenn ihr zehn Sprachen beherrscht, welches ist dann eure Sprache? Selbst wenn ihr in zehn Sprachen gleich gut lesen, sprechen und schreiben könntet, die Sprache, in der ihr träumt, das ist eure Sprache.

Warum verliert ihr euer Gedächtnis? In eurem Leben gibt es zwei Kindheitsphasen. In der ersten lernt ihr sehr leicht. Wenn ihr mir aber sagen würdet, ich sollte heute die Abschlussprüfung in der Schule machen, dann würde ich versagen. Es wäre für mich sehr schwierig, die gleichen Themen noch einmal zu lernen, wie z. B. Algebra oder Geometrie. Selbst die Professoren würden versagen, wenn sie noch einmal zu den Prüfungen erscheinen müssten. Es gibt noch eine zweite Kindheit, die man das Alter nennt. Diese Kindheit ist voller Sonderlichkeiten. Wenn der Geist gedankenverloren wird, dann muss er anfangen zu vergessen. Was man in der ersten Kindheit benötigt, wird Lernen genannt. In der zweiten Kindheit jedoch ist das Vergessen notwendig. Die zweite Kindheit ist eine Kindheit der Absonderlichkeiten. Die Gedanken und der Geist älterer Menschen schweifen ins Leere, so dass sie allmählich den Kontakt zu ihrem Gedächtnis verlieren. Der Geist eines Kindes schweift noch nicht ins Leere und daher verliert ein Kind noch nicht sein Gedächtnis.

Gedächtnis bedeutet „Interesse“. Wenn ihr das Interesse an etwas verliert, dann vergesst ihr es. Euer Geist ist so gedankenverloren, dass ihr glatt vergessen habt, was ihr gerade tun wolltet.

Ihr solltet lernen, nicht gedankenverloren zu sein. Wenn ihr lernt loszulassen, dann wird euer Geist nicht länger gedankenverloren sein und ihr werdet die Kontrolle über euer Gedächtnis behalten. Ihr müsst lernen, wie ihr euren Geist organisieren könnt. Alles, was ihr zu tun wünscht, wird euch besser gelingen, wenn ihr verstanden habt, wie euer Geist funktioniert und wie ihr ihn am besten nutzen könnt.

Das Gedächtnis unterscheidet sich von der Erinnerung, dem Abrufen früher gespeicherter Inhalte. Wenn ich mich an euch zu erinnern wünsche, dann kann ich mich euch aus meinem Unbewussten wieder aufrufen. Das Erinnern eines Gedankens bedeutet nicht Abspeichern, sondern meint, sich an diesen Gedanken wieder zurück zu erinnern. Zu wissen bedeutet lediglich, dir selbst zu gestatten zu wissen, eurem Gedächtnis zu erlauben, in euren bewussten Geist einzufließen. Es gibt viele Möglichkeiten, euer Gedächtnis zu verbessern. Wenn ihr die Kontrolle über euer Gedächtnis erlangt habt, dann werdet ihr nie etwas vergessen. Wann immer ihr die gespeicherten Eindrücke wieder aufrufen möchtet, wird euch das gelingen. Es ist möglich, den Gedächtnisprozess zu stärken, und zwar durch eine einfache Übung, die ich euch beibringen möchte. Und es gibt eine andere Methode, und zwar das Visualisieren.

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