Geist und Atem

von Swami Veda Bharati

Swami Veda Bharati

Dies ist ein Auszug aus dem Buch “Das Licht von zehntausend Sonnen” von Swami Veda Bharati (siehe Bücher und Broschüren von Swami Veda)

Der universelle Geist

Prophezeiungen, Psalmen und weise Worte sind Edelsteine, geborgen aus dem Bergwerk der Vergangenheit durch die Propheten. Die goldnen Gedanken ewiger Weisheit werden auch Dir Gewinn bringen, wenn Du das Bergwerk Deines Geistes gut angelegt hast. Ob Du Kohle findest oder Diamanten, hängt davon ab, ob Du gelernt hast, den rechten Erzgang zu entdecken und den Stollen gut zu graben.

Der Menschheit Geschichte ist die Geschichte des menschlichen Geistes. Alle Werkzeuge, Spielzeuge, Schmerzen und Freuden sind nur Geschöpfe der Materie, die Dein Geist ist. Mann oder Frau, Du bist Geist. Das Tier in Dir ist der niedere Geist und Gott in Dir der höhere GEIST. Der aber ist das Bewusstsein der Sonne im Licht eines jeden Herzens. Alles kommt vom GEIST: Das Wachstum des Grashalms, die Pollen der Blumen, die Vereinigung der Leidenschaften und die Initiation spirituell Suchender. Der GEIST Gottes ist zu dieser Welt geworden.43 Geistige Anhaftung an die Welt, das ist Dein Ego. Die Unterwerfung Deines Ego unter das höhere SELBST in der Meditation gleicht dem Versinken einer Welle im Ozean.

Möge Dein Geist gestimmt sein auf die Gesänge des universellen GEISTES. Mögest Du eine harmonische Note sein der kosmischen Musik.

 

Gedanken lesen

Viele möchten gern Gedanken lesen können. Woher kommt nur der Wunsch, in das Private andrer einzudringen, wo jeder doch sein eigenes Privatsein schützt. Viele Menschen lesen aus der Hand und sagen die Zukunft voraus. Mehr noch aber forschen sie nach und fragen: „Was steht in meinen Sternen?”

Kontrollieren die Sterne Dein Leben? Lenken die Sterne Dein Handeln oder ist es Dein Wille, das Wollen Deines tiefsten, selbst erleuchteten SELBST?

Wenn Sterne Dich kontrollieren, wie Du Dich bewegst, wer kontrolliert dann, wie die Sterne sich bewegen? Warum nicht gehen wir direkt zu diesem EINEN? Und wenn Du IHN, der das Geschick der Sterne lenkt, nicht erreichen kannst, warum wendest Du nicht Deinen Blick dann auf Dich zurück und suchst den EINEN hier, den, der Dein Schicksal bringt?

Wenn Du Gedanken zu lesen lernen willst, beginne bei Dir, mit Deinen Gedanken. Kannst Du die eigenen Gedanken lesen? Was waren die Gedanken, die seit dem Aufstehn heute Morgen Du gedacht? Warum nur läufst Du ständig aus der Festung Deines Seins heraus, aus dem Palast des eignen Geistes und streckst die Hände bettelnd anderen entgegen? Wenn Du Deine Schau richtest auf den eignen Geist tief drinnen in geheimen Winkeln, wirst Du zu jenem Kern gelangen, gleich einer Nadelspitze, an dem Du mit dem höheren SELBST verbunden bist, mit Deinem eigenen erweiterten Bewusstsein, dessen Wollen jetzt in diesem Augenblick für immer Dein Leben vollständig verwandeln kann. Zieh selber Dich heraus aus dem, wovon Du abhängst hier im Jetzt mit Zuversicht zu Deinem SELBST, mit Selbstvertrauen.

Ich wünsche Dir des Geistes Freiheit, Freiheit und Unabhängigkeit.

 

Das Bindeglied zwischen Dir und Gott

Unter dem Fuss einer Lampe ist es dunkel, obwohl sie das ganze Zimmer erleuchtet. Deine Augen sehen alles um Dich herum, Du aber kannst Deine Augen nicht sehn. Du nimmst wahr jeden Wandel in Deiner Umgebung, aber nicht auch den ständigen Wandel, der Deine Persönlichkeit ist.

Von einem Augenblick zum andren lässt eine Kette ohne Ende von Deinem Tun und dem, was Du dabei erfährt, Spuren zurück in Deinem Geist. Die Summe all dessen prägt Deinen Geist und fügt dem, der Du bist, etwas hinzu, das Deine Umstände zu Dir zieht wie Nadeln zu einem Magneten.

Wähle heute die Person, die Du zu sein wünschst, so wirst Du die Umstände wählen, die Du zu Dir ziehst. Lerne zu diesem Zweck als Erstes, acht zu haben auf Deine Gedanken. Lerne als Zweites, Deine Gedanken zu erschaffen. Lerne als Drittes, Deine Welt zu gestalten kraft Deiner Gedanken. Lerne als Viertes, frei zu sein von Deiner Umgebung, indem Du das ruhige Auge im Zentrum Deiner geistigen Stürme findest.

Der Geist, ein Hemmnis zwischen Dir und Deinem SELBST, ist die Verbindung auch zu Deinem Gott.

Ich wünsch Dir für heut, dass alles, was Dich gehemmt hat in den vergangenen und verlorenen Augenblicken Deines Geistes, Dich in Verbindung bringen möge mit der Unendlichkeit.

 

Innerste Schätze

Viele Minen hast Du gegraben, Geist, und Minerale im Tiegel Deines Unbewussten geschmolzen. Ozeane hast Du durchkreuzt von Küste zu Küste, geschäftig im Tun und im Erfahren. An vieler Könige Höfe hast Du um Gunst gebettelt und viele Schätze und Unrat gesammelt. Nicht immer war ein Schatz, was Du dafür gehalten. Findest Du in all den Dingen, die Du dereinst erstrebt hast und besessen, ein wenig nur von höh’rem Wert als dem einer zerbrochenen Muschel?

Wenn Du allein sitzt, denkst Du wirklich dann, dass, was Du je erstrebt, nichts an Wert verloren hat? Warum nur suchst Du nicht nach Dingen, die von wahrem Wert? Warum nicht suchst Du nach dem goldnen Schatz der Strahlen des kristall’nen Lichts im Kosmos, die sich gesammelt haben im Gefäss Deiner ungeborenen, unsterblichen Person? Mit vielen Sonnenauf- und -Untergängen sind die Momente Deines Lebens nach und nach entschwunden; die Spanne Deines Lebens rinnt dahin. An jedem Tag siehst Du – gleich Buddha – wie sich der Kreislauf von Geburt, von Krankheit, Alter und von Tod ohne Ende dreht. Und dennoch lässt Dich der Verblendung Wein, den Du getrunken, nicht erwachen zu Deinem wahren SELBST. Was in vergang’nen Tagen Du Dir vorgenommen, wie viel davon hast Du bis heute eingelöst?

Warum beachtest Du nicht ein Verlangen, das Dich von Anbeginn der Ewigkeit begleitet und das Dir bleiben wird bis zu den Grenzen der Unendlichkeit? Tritt ein nur durch das Tor der Achtsamkeit und in den vielen Sälen Deines inneren Palastes wirst Du finden, was Dich so wird gefangen nehmen, dass Du Dich nie mehr wieder wendest.

Ich wünsch Dir für heute, Geist, die Schätze tief in Deinem Innern zu entdecken.

 

Mein Geist, mein Kind

Geist, warum gleichst Du einem Kind? Warum ergreifst Du jedes Spielzeug, jeden Flitter? Warum nur willst Du Kieselsteine und Zuckerstücke in Deinem Beutel horten und mich damit belasten, auf sie acht zu geben? Wie viele meiner Ketten aus Mondlichtperlen, wie viele meiner stillen Augenblicke hast Du noch nicht gesammelt,

Wie viele meiner Muster aus Sonnenlicht, Gedanken der Erleuchtung, noch nicht entschleiert, Geist.

Warum nur wächst Du nicht zur Reife hin, mein Geist? Du weisst genau, dass Du – vom Menschen stammend – bestimmt bist für ein heilig Ziel. Und doch tust Du Dich zusammen mit dem Getier des Übels, der kleinlichen Gewalt, die ihre Pranken auf mich richten. Du nimmst die Farben wahllos, spritzt Dich selbst mit ihnen, jetzt mit der einen, dann mit einer and’ren. Was für eine Kleinkindbild hast Du von Dir geschaffen und nennst das nun Erfahrung, Geist.

Wähl Deine Farben, Geist! Mit Sorgfalt zieh die Linien aus. Hier das Gebet und dort der Atem, das Licht auch zwischen Deinen Augenbrauen, und dort der Himmelsklang in Deinem rechten Ohr.

Geist, komm und lass uns heute beieinander sitzen – nur ich und Du, und unser Bruder Atem, und lasst mich Euch beiden einen Strahl meiner Leuchtkraft geben. Mein Geist, mein Kind, lass mich Dir Schönheit schenken.

 

Wache über Deinen Geist

Deine wirkliche Persönlichkeit ist Dein Geist. Er zeigt sich darin, wie Du Dich bewegst, in allen Deinen Gesten auch und Worten. Deine Entscheidungen und Reaktionen kommen von ihm. Jeden Morgen wäschst du Dein Gesicht, bevor Du es dieser Welt zeigst. Warum nur wäschst Du nicht auch Deinen Geist?

Dein Diener ist der Geist und er möchte Dir, dem Meister, Gutes tun. Wenn Du über ihn wachst, wird er von selbst sich säubern; lass freien Lauf ihm und er wird besudelt sein. Ihn stets zu überwachen, ist die Kunst der Meditation in Aktion. Folge daher stets vier Regeln des Denkens und entscheide Dich täglich neu.

Falsche schon aufgestiegene Gedanken werde ich tilgen.

Falsche noch schlummernde Gedanken werde ich ruhen lassen.

Gute noch schlummernde Gedanken werde ich wecken.

Gute schon aufgestiegene Gedanken werde ich pflegen, nähren und wachsen lassen.

Mit dieser Übung im Denken wirst Du liebenswert sein, auch wenn zuvor Dich niemand geliebt hat. Anziehend wirst Du sein, auch wenn Du zuvor auf niemanden so gewirkt hast. Ein Magnet wirst Du sein, auch wenn Du zuvor nichts warst als Eisen.

Ich wünsche Dir heut einen Geist, über den Du wachen kannst, einen Geist, den Du gereinigt und mit spiritueller Energie magnetisiert hast. Ich wünsche Dir lauter schöne Gedanken für Deinen Geist.

 

Dein Atem

Dein Atem ist ein Fluss, der zwischen den Ufern Deiner Nasenflügel fliesst. Sein physischer Nebenfluss entspringt im Feuerteich Deines Sonnengeflechts, der belebende geistige Nebenfluss in der Höhle hinter der Stirn. In all Deinem Ein- und Ausatmen sagt Deine Lebensenergie: „Ich bin Leben. Ich bin Achtsamkeit. Ich bin das Sein. Ich bin nicht Depression oder Tod. Ich bin das wahre Selbst der ewigen Hoffnung.”

Ein Lufthauch ist Dein Atem bloss, wenn in der Lunge und im Bereich des Nabels er beginnt. Weisst Du jedoch, dass seine Quelle liegt im Geist und er auf seine Weise Geisteskraft erzeugt, dann wird aus ihm ein Sonnenstrahl, eine beflügelte Seele im Flug. Dann sagt er zu Dir: „Ich bin, ich bin, der ich bin. Noch ehe Abraham war, war ich.” Er singt die Hymne aller Augenblicke des Hier und Jetzt als den Choral der Ewigkeit.

Ich wünsche Dir für heut, Du mögest durch Deinen Atem das Wissen vom Unwandelbaren im sich Wandelnden und von der Ewigkeit in dieser Zeit erlangen. Ich wünsche Dir die Stille, welche aufsteigt, wenn Du lange dem geistigen Nebenfluss des Atems lauscht. Mögen die Tore zwischen Deinen Augenbrauen sich öffnen für die geistigen Räume Deiner verborgenen Weisheit und Inspiration49.

 

Übergänge

Zwischen zwei Lauten entsteht Stille, zwischen zwei Atemzügen liegt eine kurze Spanne ohne Atem.50 Zwischen zwei Gedanken kommt der Geist zur Ruhe. Diese Stille, diese Spanne ohne Atem, diese Ruhe gleicht einem Tor zwischen zwei Wänden. Du hast die Wahl, freundliche Gedanken einlassen oder Horden ungehobelter und wilder. Dein Wille ist der Wächter des Tores.

Zwischen zwei Plätzen, zwei Augenblicken, zwei Handlungen ist immer ein Übergang, wie Weihnachten zwischen den Jahren, wie der Gruss zwischen Ankunft und Abfahrt. Du kannst ein Haus mit grimmigem Gesicht, doch lächelnd auch betreten. So wie Du guten Willen aussäest oder bösen, wirst Du die Früchte Deiner Wahl erhalten.

So achte denn auf Deine Übergänge von Augenblick zu Augenblick, auch auf die Länge der Gedanken und des Atems. Was für Gedanken und Gefühle in Deinen Geist Du einlässt durch das Tor zwischen zwei Atemzügen, sie werden Deines Geistes Sammelbecken Süsses schenken oder es vergiften. Beachte Deinen Atem und erlaube nicht, dass Dein Schweigen und Deiner inn’ren Räume Ruhe gestört wird durch einen unwillkommnen Strom vergifteter Gedanken.

So wie Du andren für des Schlafes Stunden süsse Träume wünschst, wünsch ich Dir Gedanken voller Süsse für Deines Tages wache Zeit. Mögest Du strahlende Gedanken haben, voller Licht und Freundlichkeit den ganzen Tag lang, in Deines vollen Tages Meditation.

Friede sei mit Dir.

 

Möge mein Geist gefüllt sein mit schönen und göttlichen Gedanken

Er, der weit umherschweift im Wachsein,

Er, der sich entfernt im Schlaf,

Dieser Weitschweifende, Licht allen Lichts,

Möge er, mein Geist, gefüllt sein mit schönen und göttlichen Gedanken.

Er, mit dessen Hilfe weise Menschen handeln Und Opfernde betend ihre Dankespflichten erfüllen Er, der einzigartig-geheimnisvolle Persönlichkeit ist, verborgen ruhend in allen Lebewesen,

Möge er, mein Geist, gefüllt sein mit schönen und göttlichen Gedanken.

Er, das absolute Wissen und Sammelbecken der Materie des Geistes,

Er, das Licht verborgen in allen Wesen,

Er, ohne den kein Handeln geschieht,

Möge er, mein Geist, gefüllt sein mit schönen und göttlichen Gedanken.

Er, der Unsterbliche, von dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Welt gehalten werden,

Er, der das Opfer der sieben Priester erbringt und vollzieht,

Möge er, mein Geist, gefüllt sein mit schönen und göttlichen Gedanken.

Er, in dem Wissen, Handeln und Musik, die drei Zweige der Weisheit

Zusammentreffen wie die Speichen in der Nabe eines Rades,

Er, der Lenker meines Herzens,

möge er, mein Geist, gefüllt sein mit schönen und göttlichen Gedanken.

Er, der die Menschen lenkt wie ein geschickter Wagenlenker seine Pferde, die Zügel fest im Griff,

als die im Herzen wohnende beweglichste und allerschnellste aller Kräfte

möge dieser, mein Geist, gefüllt sein mit schönen und göttlichen Gedanken.

 

Geist und Meditation

Ein ungelenkter Geist gleicht einem Wagen, den wilde Pferde ziehen, stets im Begriff, Dich abzuwerfen. Ein gut gelenkter Geist allein wird auf dem eingeschlagenen Weg Dich sicher führen.

Ein Geist, der nicht zu meditieren weiss, ist wie diffuses Flackerlicht, das einen kleinen Winkel nur beleuchtet, dagegen gleicht Bewusstsein meditierend einem scharfen Strahl, der durch tief-granitgeschwärztes Dunkel schneidet.

Deine Phantasien, Träume, Wünsche und Visionen sind das Gewirr der unbewussten Ecke, wo Eindrücke der Sinne Spinnen gleich ihre Netze gewebt haben. Ein Geist jedoch, der meditiert, gleicht unbewölktem Himmel, voll Sonnenlicht, gleicht einer Kerzenflamme, die stetig leuchtet, wo kein Lufthauch weht. Nur solch ein Himmel eignet sich für Flügel, nur solche Flamme wahrlich gibt Dir Licht, nur solch ein Geist dient als der Freiheit Werkzeug.

Triff Deine Wahl nun zwischen Wirrnis und Klarheit, zwischen Wolken und Sonne, zwischen dem Angenehmen und dem Guten und sag zu Dir selbst: „Ich hab meine Wahl getroffen: in diesem Leben Erleuchtung! Noch in diesem Leben eine christgleiche Gestalt. Die Buddhaschaft, innerhalb der mir gegebenen Anzahl von Atemzügen.”

Bruder Geist, meditiere und hilf mir.

 

Geistloser Geist

Regen-gewaschene Frucht, Bach-gewaschener Kiesel,

Sonne-gewaschener Erdenspross Japa-gewaschener Geist.

Blatt-geschützte Beere,

Baum-geschützter Schatten, Mond-geschütztes Wild, Guru-geschützter Geist.

OM-zentrierte Sprache,

Mantra-zentriertes Denken Punkt-zentrierter Kreis, Seele-zentrierter Geist.

Wind-geliebter Berg,

Briese-geliebter Hügel,

Psalm-geliebter Prophet,

Gott-geliebter Geist.

Streif ab, wirf fort die Körperhülle,

Entfalt’ Dein Prana hin zur Fülle,

Bring falsche Atemmuster zum Wanken Denk edle Nichtgedanken-Gedanken.

Schau mit dem Herzensauge, namenlos-benannter, raum los-gemessener, Sonnentropfen-zeitbegrenzter, heiliger, zentrierter, ungebundener Geist.

Schwertscharfes Wissen, strahlenscharfe Weisheit, gleichen zweispurig laufendem pfadlosen Pfad,

und hinterlassen reinen Geist zurück:

Japa-gewaschener Geist, Guru-geschützter Geist,

Seele-zentrierter Geist,

Gott-geliebter Geist.

Folgsamer, gut geübter, frei gewordener Geist auf dem Königspfad zu Gott

Kraft der Hilfe der fleckenlosen Seelen, und der Heiligen des geistlosen Geistes!

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