Karmareinigung

von Swami Veda Bharati

 

Swami Veda Bharati

Eine Frage hat mich erreicht:

Die Erfahrungen dieses Lebens und meine Art, meine Reaktionen zu rechtfertigen, bevor ich meinen Guru traf, sind bezeichnend für die Tatsache, dass ich einige extrem heftige inakzeptable Taten begangen habe, die beabsichtigt oder unbeabsichtigt, viele verletzt haben, mehr noch in meinen vorherigen Leben. Das Leben wird seinen eigenen Lauf nehmen, um mich für meine Taten zahlen zu lassen. Aber gibt es eine Möglichkeit für mich, meine Busse für meine Taten gerade aus früheren Leben zu beschleunigen, wenn ich nicht mal weiss, was ich alles getan habe und wem ich alles Schmerz und Elend verursacht habe? Ich werde von Tag zu Tag besser darin, den Geist zu beobachten und zu befragen, insbesondere nach Gedanken, die einen Hauch von Negativität oder Zweifel haben.

Ich werde meine Antwort in mehrere Teile aufteilen.

  1. Schuldgefühle erzeugen Dainya, ein Gefühl der eigenen Wertlosigkeit. Dies ist nicht die Art und Weise der Veden. Das ist nicht der Weg der Yogis. Das vedische Gebet lautet:

    adeenaah syaama sharadah shatam

    mögen wir a-deena sein, die ganzen 100 Jahre unseres Lebens hindurch.Das Wörterbuch übersetzt deena als verzweifelt, betrübt, elend, entmutigt, niedergeschlagen, melancholisch, verängstigt, mitleidserregend.

    A-deena ist von all dem das Gegenteil, ein Zustand des Geistes und des Herzens, den wir als unsere natürliche Reaktion auf alle unsere Erkenntnisse oder Realitäten ausbauen sollen. Ziehen wir uns selbst aus dem unerwünschten Modus der Selbstverurteilung im Denken und Fühlen heraus.

  2. Wie tun wir das? Wie erheben wir uns über diese Gefühle? Die Bhagavad-Gita sagt:

    uddhared aatmanaatmaanam
    naatmaanam ava-saadayet;
    aatmaiva hy aatmano bandhur
    aatmaiva ripur aatmanah.

    Lass einen sich selbst durch das Selbst erheben
    Lass einen sich nicht selbst niederdrücken;
    Das Selbst alleine ist des Einen wahrer Freund
    Das Selbst alleine ist des Selbsts Feind.
    (Bhagavad-Gita 6.5)

  3. Sollte ich dann nicht alle Verletzungen und Sünden (paapa) anerkennen, die ich in den vergangenen sowie in diesem Leben begangen habe?
    • Ja, wir erkennen sie an. Dieses Anerkennen impliziert die Anerkennung unserer a-vidya, der Unwissenheit, des Fehlens von korrektem Wissen, unserer Verstrickung mit der Welt der Unkenntnis unserer wahren Natur, Aatma-jnaana. Dies wird durch Meditation (Yoga) möglich.
    • Wir erkennen auch an, dass unsere gegenwärtigen karmischen Leiden das Ergebnis unserer vergangenen Verfehlungen sind. Wir akzeptieren unsere Praarabdha, Handlungen, die angefangen haben, Früchte zu tragen, als Effekte der natürlichen Gesetze von Ursache und Wirkung. Das ist eine Form von Reinigung, Shuddhi, als Erfahrungen von unfreiwilliger Busse, praayashchitta. Alles karmische Leid fällt in diese Kategorie.
    • Bei allen Erfüllungen von Freuden im karmischen Zyklus: Erfreue dich an puNya, verdienstvollen Handlungen, die du in der Vergangenheit durchgeführt hast,
      hebe nicht deren gute Wirkung auf, durch Stolz und Eitelkeit, und beschliesse, übe wiederholt Sankalpa, ähnliche positive Handlungen auszuführen, demütig, demütig und noch demütiger, immer und immer wieder, ohne sie dir als Verdienst anzurechnen – bis dein Yoga die Frucht der Befreiung trägt.
    • Zu Sanchita-Karmas, die wir bisher in diesem Leben angesammelt haben, und kriyamaaNa-Karmas, den Handlungen, die jetzt begangen oder ausgeführt werden, gibt es drei Rekurse:
      1. Sankalpa (nochmals), immer wieder neu bekräftigen, die richtigen Handlungen auszuführen,
      2. zu sich selbst bekennen, pashchaat-taapa:

        yad asya karmaNo’ty areericham
        yad vaa nyoonam ihaakaram

        Was auch immer ich während dieser Taten getan habe, was ich nicht hätte tun sollen, und was auch immer ich während dieser Taten unterlassen habe, was ich hätte tun sollen

        agniSh Tat sviShTa-rd vidyaat

        das göttliche Feuer, der Erfüller aller guten Absichten, kennt alle diese von mir

        Sarvam sviShTam su-hutam karotu me

        Möge Er alle diese für mich machen zu gut gemeinten, gut verwirklichten und gut angenommenen, als eine Feuer-Opfergabe.

        SviShTa-krt-Opfergabe in homa (Feuerzeremonie)

        So sucht man göttliche Stärke für die eigene Sankalpa, um den eigenen paschaat-taapas eine positive und erfüllende Dimension und Richtung zu geben.

      3. Praayash-chitta, kompensatorische Handlungen. Wenn man einige Fehler erkennt, unternimmt man bestimmte heilige und/oder selbstlose Handlungen der Sühne, der Wiedergutmachung, wie:
        • mit grosser Demut um Vergebung bitten; wenn die Person, die dir vergeben würde, nicht gefunden werden kann, bitte im Geist um Vergebung, und bilde die Gewohnheit, um Vergebung zu bitten, sogar die Ameise, auf die du getreten bist, oder ein Kind, mit dem du zu Unrecht zu hart geredet hast
        • Sühne in Form einer anonymen Spende an eine Wohltätigkeitsorganisation oder an einen Bedürftigen oder an jemanden, der es verdient, und zwar in der doppelten Höhe, in der du ursprünglich in der Vergangenheit irgendjemanden irgendwo um irgendetwas betrogen hast
        • auf eine Pilgerreise gehen
        • anbeten, in einem Tempel oder einem anderen Ort der Anbetung
        • anonyme Wohltätigkeiten vornehmen (nicht danach suchend, den eigenen Namen auf Marmorplatten zu sehen, wie es heutzutage üblich ist) (auch nicht nach Steuerabzug suchend!)
        • helfen oder dienen, den Armen, Unterdrückten und Ausgebeuteten, Kranken, Alten usw. Dabei selbstlos handeln, nicht danach suchen, üppigen Dank zu empfangen
        • auf bestimmte Genüsse verzichten, kleinere oder grössere, je nachdem, wie schwer sich der eigene Fehler anfühlt. Diese Verzichte können folgender Arten sein:
          • auf ein Lieblingsnahrungsmittel verzichten, Kartoffeln, Mangos, bestimmte Süssigkeiten
          • auf ein Lieblingskleidungsstück verzichten (aus Seide?)
          • den eigenen Verbrauch reduzieren (in ein kleineres Haus umziehen und den Gewinn selbstlosen Zwecken spenden), weniger Wasser und Strom verschwenden
          • an bestimmten Mahlzeit eine Woche lang fasten, ohne die eigene Gesundheit zu gefährden
          • im gegenseitigen Einvernehmen, und nicht ohne dieses Einvernehmen, das Gelübde ablegen, in bestimmten Nächten im Monat das Zölibat zu beachten
          • bestimmte Homa (Feuer-Opfergaben) ausführen, mit einer bestimmten Anzahl von Rezitationen eines Mantra
          • spezielle Japa ausführen, mentale Rezitation eines Mantra oder beliebiger heiliger Sätze, entsprechend der eigenen Religion, wie:
            • so viele Rezitationen von „Estham vohu…“ oder „Yathaa ahu viriyo…“ für Zoroastrier
            • bestimmte Ayas des Heiligen Koran für Muslime,
            • bestimmte Anzahl von „Vater unser“ oder „Ave Maria“ für Christen
            • Moola-mantar oder Japji für dir Sikhs

            und so weiter, entsprechend den Geboten der eigenen Selbstüberprüfung und des eigenen Gewissens.

  4. Kurz gefasst, zahle dein vergangenes Karma zurück und erwerbe kein neues mehr.
    • Du zahlt dein Karma aus indem du akzeptierst, dass deine aktuelle Erlebnisse, bhoga, so wie Schecks sind, mit denen du deine Schulden auszahlst. Es ist schwer ein Scheck zu schreiben, aber das Gefühl der ausgezahlten Schulden ist eine grosse Erleichterung. Geniesse diese Erleichterung.
    • Erwerbe kein weiteres Karma, das heisst, wie Bhagavad-Gita uns lehrt, führe neue Taten aus als nishkaama-karma:
      • selbstlos,
      • mit Freude,
      • liebevoll,
      • nicht nach Früchten suchend

Wenn du dies bereits tust, bleibe innerhalb deiner Fähigkeiten und übertreibe es nicht, führe keine falsche Askese durch, die Körper und Geist schädigt. Selbstzerstörung ist der schlimmste Mord!

Erfreue dich, dass die Göttlichkeit dich mit der Fähigkeit beschenkt hat, dich selbst beobachten zu können und deinen Geist regelmässig zu reinigen, durch Meditation und selbstloses Handeln.

Erfreue dich!

Artikel übernommen von www.swamivedablog.org, July 2011, und übersetzt ins Deutsche.

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