Selbstverurteilung

Swami Rama

von Swami Rama

 

Es besteht keine Notwendigkeit, dich selbst zu verurteilen, indem du denkst: „Ich bin schlecht, ich bin schlecht, ich kann nichts tun.“ Du verschwendest so viel Zeit damit, dich selbst zu verurteilen. Wer bist du, dich selbst zu verurteilen? Du gehörst dir nicht. Dein Körper besteht aus fünf Elementen. Du kannst den Körper nicht wieder herstellen, also gehört dein Körper dir nicht. Deine Pranas gehören dir nicht; dein Geist gehört dir nicht; deine Seele gehört dir nicht. Wer bist du, dass du behauptest, dies sei schlecht und jenes sei gut? Beide Behauptungen sind nicht hilfreich. Die eine nährt das Ego, die andere verkrüppelt deine Kreativität.

Verurteile dich nicht. Du hast kein Recht, das zu tun. Du bist von der göttlichen Vorsehung geschaffen worden und du solltest lernen, ihre Schöpfung zu respektieren. Wenn du gegen dich selbst stösst, wirst du auch in der äusseren Welt stolpern. Verletze dich nicht selbst. Sei stark.

Wieso greifst du die Gewohnheit auf, einen Minderwertigkeitskomplex zu haben? Das bedeutet, dass du das Gefühl hast, ein Klumpen Fleisch zu sein, eine Tüte Knochen und ein Becher Blut mit einem mechanischen Gehirn im Schädel. Du bist mehr als das. Du bist eine strahlende Seele, ein Funken von Atmans ewigem Feuer. Du bist, was du denkst und du wirst, was du denkst. Höre auf, diesen Minderwertigkeitskomplex zu haben. Was du isst, tust und denkst ist begrenzt auf den Körper, den Atem und den Geist.

Die buddhistischen Schriften sagen, dass wenn du andere hasst, der gehassten Person nichts passiert, aber es passiert dir etwas, deinem Geist, deinem Herzen. Du kannst lernen, jemanden zu lieben, sogar jemanden, den du hasst, indem du verstehst, dass er genauso ein Mensch ist wie du. Wer bin ich, um diese Person zu hassen? Höre auf, andere zu verletzen und zu hassen, denn es verletzt dich selbst. Wenn du dich ständig selbst verletzt, kann dich das zu einer Tat führen, die dein eigener Geist, dein eigenes Gewissen nie verzeihen kann. Du tötest ständig dein Gewissen. Höre damit auf.

Die Ishopanishad sagt, du sollst dein eigenes Gewissen nicht töten. Wenn du dein eigenes Gewissen tötest, wie sollst du dann andere lieben können? Du solltest lernen, dich selbst zu schätzen, zu bewundern und zu lieben, und diese Liebe dann auf andere ausstrahlen.

Wenn jemand Anderes euch verletzt, kann dies behandelt werden, aber wenn du dich selbst verletzt, wer wird dich behandeln? Der grösste Sünder ist derjenige, der ständig sein eigenes Gewissen töten. Die Upanishaden sagen das aus.

Denke daran, dass fünfzig Prozent meine Arbeit sind und fünfzig Prozent deine Arbeit bleiben. Ich mache meine Arbeit und du machst deine. Und angenommen, du erledigst deine Arbeit nicht, dann werde ich mich weiter bemühen, dir zu helfen zu wachsen.

Ein Mensch begeht viele Fehler, weil er nicht perfekt ist. Wenn du dich in der Meditation hinsetzt, dann führe einen kurzes Dialog mit dir selbst. Was habe ich heute getan, was nicht richtig war? Was habe ich gesagt, was schädlich und nachteilig war? Diese Art, einen Überblick über Ideen, Gedanken, Handeln und Sprechen zu erhalten, nennt man Haushaltsführung.

Ein Mensch ist wie eine mehrstöckige Villa. In dieser Villa gibt es viele subtile und feine Lebenskräfte. Um so eine prächtige Villa zu verwalten, musst du alle Etagen der Villa im Auge behalten, nicht nur die primitiven Quellen Essen, Sex, Schlaf und Selbsterhaltung.

Die Unwissenden gehen verloren zwischen den grobstofflichen Objekten, die sich verändern, verfallen und sterben. Sie sind sich der feineren Lebenskräfte nicht bewusst, die die tatsächlichen Innenverwalter dieser Villa des Lebens sind. Der Körper ist nur ein grobes Werkzeug. Der Atem ist feiner und der Geist ist am feinsten.

Handlungen bleiben Handlungen und du solltest dich nicht mit deinen Handlungen identifizieren. Du solltest lernen, eine persönliche Philosophie zu entwickeln und frei von jeglicher Schuld zu bleiben.

Wenn du einen Dialog mit dir selbst führst und feststellst, dass du einen Fehler begangen hast, dann wiederhole ihn nicht. Warum auf Fehlern brüten und ein tiefes Schuldgefühl entwickeln?

Wenn du Handlungen, die du als schädlich oder hinderlich ansiehst, auf dem spirituellen Weg nicht wiederholst, dann bist du frei. Ein Schuldgefühl entsteht, weil du ein Gesetzt für dich aufstellst oder die Gesellschaft Gesetze für dich aufstellt. Wenn du das Gesetz des Lebens befolgst, gibt es keinen Grund, Schuldgefühle zu haben.

Du bist dein eigener Richter, sei aber nicht besessen von Verboten. Das Leben ist nicht für Verbote gedacht. Je stärker du dein Leben beruhigst, desto reiner wird es und die ganze Philosophie ändert sich. Dies ist ein Prozess der Selbstverwandlung, der dir wahrhaftig dabei hilft, zu wachsen, dich zu entfalten und anzukommen.

Diejenigen, die alles über ihren Geist und dessen verschiedene Aspekte wissen, geniessen und erreichen die Schönheit des Lebens. Das Leben sollte geschätzt werden. Niemand hat das Recht, es zu verdammen.

Was gut und richtig ist, wird vom Denken dazu gemacht. Verzichte eine Weile auf den Geist zugunsten des Gott-Bewusstseins, und du wirst Frieden finden.

Übernommen aus dem Buch “The Essence of Spiritual Life” von Swami Rama und übersetzt ins Deutsche.

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