Über den Vollmond, den universellen Geist und die Liebe

Swami Veda Bharati

27. März 2008 – Swami Veda Bharati

 

Im Gespräch mit der TTP-Gruppe aus Taiwan

Frage an Swami Veda:

Sie ermutigen uns, bei Vollmond zu meditieren. Durch die Meditation sind wir verbunden. Sie sind in Indien und wir in Taiwan. Was ist der Mechanismus, durch den dies geschieht?

Antwort von Swami Veda:

Ich sitze hier und du sitzt zwei Meter von mir entfernt. Das ist eine recht weite Distanz! Und wir sind verbunden. Wie geschieht dies? Wenn du hinter dieser Säule sitzt, wie funktioniert die Verbindung dann? Dein Körper ist begrenzt in Raum und Zeit. Er hat Dimensionen, eine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft, und du denkst, du bist ein Körper. So lange du denkst, du seist ein Körper, wirst du die Verbindungen nicht verstehen, die im universellen Geist existieren. Wenn du und ich zusammen meditieren, und es Zeiten der Stille gibt, dann sind wir verbunden. Weil du zu dieser Zeit nicht mehr an den Körper denkst, du bist vollständig im Geist. Also, wenn du über deinen Geist und deine Seele mehr lernen wirst, wirst du erfahren, dass es im Universum keine Entfernungen gibt. Wenn ein Meister in einer Galaxie sitzen würde, die eine Billion Lichtjahre entfernt ist, und du sitzt auf diesem Senfkorn grossen Planeten, wäre die Verbindung immer noch da. Und wenn der Meister nicht im Körper ist, ist die Verbindung immer noch da. Tatsächlich werden die wahren Traditionen dieser Erde immer noch überwiegend durch körperlose Meister weitergegeben. Sie sind diejenigen, die dich hierher gebracht haben. Jemand träumt etwas, jemand bekommt ein starkes inneres Gefühl. Etwas in dir sagt: „Lass uns nach Rishikesh reisen und 15 Tage dort meditieren“. Woher entsteht dieses Gefühl in dir? Was bringt dich auf diesen Gedanken? Du denkst, es wäre deine eigene Neigung.

Aber es gibt eine grössere Hand, die dich führt. Manchmal kommen Menschen nach Rishikesh, die überhaupt nichts über diesen Ashram wissen. Jemand in Brasilien bekommt ein starkes Gefühl, nach Indien zu reisen und nach Rishikesh zu kommen. Die Dame kommt an und geht in ein Hotel. Sie weiss nicht wohin. Sieben Tage sass sie in ihrem Hotelzimmer. Dann hatte sie genug davon, in ihrem Zimmer zu sitzen, sie ging hinaus und ging spazieren. Oder sie nahm ein Fahrzeug, das irgendwo stoppte, und dann begann sie zu gehen. Sie sieht den Ashram und geht hinein. Jemand von der Rezeption sagt mir: „Swamiji, hier ist eine Dame aus Brasilien, und heute Abend hat sie ihr Flugzeug nach Delhi“. Ich rief sie in mein Zimmer. Sie spricht Portugiesisch, aber sie versteht auch Spanisch. Ich gab ihr fünf Minuten Meditation, und das war genug. Ihr Zweck zu kommen war erfüllt. Und sie meditiert eindrucksvoll.

Warum fragen Sie nach Vollmond-Meditationen? Jemand macht eine Sendung in einer Maschine in Moskau oder Washington oder Peking. Und du hörst sie in Taiwan. Jemand, der nichts über Radiowellen weiss, fragt sich: „Wie kann das funktionieren?“. Es kommt nicht über einige Kabel, sondern das Gerät reagiert auf die Wellen, weil diese Wellen überall sind. So ist auch dein Geist überall. Verstehe die Natur des Geistes. Wie kommt es, dass eine Mutter in ihrem Haus sitzt und ihr Kind hat einen Unfall. Und sie bekommt dieses starke Gefühl, rennt aus dem Haus und findet ihr Kind? Wie wird die Verbindung aufgebaut?

Weil es eine Verbindung der Liebe gibt, zwischen den beiden Geistern – dem Geist der Mutter und dem Geist des Kindes. Der Geist der Meister und derer, die den Meistern dienen, ist ein mütterlicher Geist. Wenn du keine Mutter bist, kannst du auch kein Lehrer sein. Wenn du an einer Lehrerausbildung (TTP) teilnimmst, egal ob Mann oder Frau, lerne eine Mutter zu sein. Eine Mutter für jeden, der an dir vorbeigeht. Eine Mutter für jeden, der zu deinem Kurs kommt. Eine Mutter für jeden, der irgendein Leiden hat. Eine Mutter für jeden, der irgendetwas braucht. Dann bist du ein Lehrer. Und die Personen sollten fühlen, dass sie bemuttert werden. Dann ist die Verbindung zwischen dem Geist des Meisters und deinem Geist wie die Verbindung zwischen dem Geist einer Mutter und deinem Geist.

Bitte verstehe, dass dieser Geist nicht auf die Grösse deines Körpers beschränkt ist. Dein Geist ist nicht irgendetwas Flüssiges oder Festes, das in den Hohlraum deines Schädels geschüttet und dort unter einem dichten Deckel aufbewahrt wird. Wie die Radiowellen ist auch dein Geist eine alles durchdringende Welle. Du bist eine Welle im universellen Geist und du bist ebenfalls die Welle, die der universelle Geist ist. Kannst du mit einem Stück Kreide oder mit einem Bleistift eine Linie zwischen zwei Wellen im Meer zeichnen und sagen „Welle Nummer eins, du bleibst auf dieser Seite und Welle Nummer zwei, du bleibst auf jener Seite. Dieses ist mein Land und jenes ist dein Land.“ Kannst du das tun? Du kannst es nicht. Die Energie befindet sich nicht in der Form des Wassers. Die Energie ist das, was dazu führt, dass aus dem Wasser die Welle wird. Es berühren sich also die Welle deines Geistes und die Welle eines anderen Geistes miteinander. Wenn sich die eine Geisteswelle und die andere Geisteswelle miteinander berühren, und wissen, dass sie die Welle eines befreundeten Geistes lieben und umarmen; wenn sie wissen, dass es die Lichtwellen des Geistes sind, die einander umarmen – wie nennt man das? Diese Berührungen der Geister, dieses Umarmung der Geister? Wie heisst diese Umarmung? Sie heisst Liebe.

Und wenn du wirklich liebst, spürt du, was mit dem Objekt der Liebe geschieht, auch tausend Meilen weit weg. Wie funktioniert diese Verbindung? Sie funktioniert sogar bei Menschen, die nicht verstehen, dass sie nicht der Körper sind. Sie funktioniert auch bei Menschen, die das Prinzip des universellen Geistes nicht verstehen. Und sie funktioniert noch besser bei denen, die dieses Prinzip des universellen Geistes verstanden haben. Wenn du das verstehst, dann bist du ein Lehrer. Nicht weil du die Entspannungsübung rezitieren kannst. Wenn du keine Mutter bist für die Person, die du unterrichtest, dann bist du kein Lehrer. Sei der Geist der Mutter und lass diese Person der Geist des Kindes sein.

Übernommen aus dem Englischen von www.ahymsin.org und übersetzt ins Deutsche.

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