Was ist ein Swami?

Swami Veda Bharati

von Swami Veda Bharati

 

An einem bestimmten Punkt im spirituellen Leben wird Gott die einzige Realität, nach der man sich sehnt. Dann fallen alle anderen Begierden, Emotionen und Gefühle ab. Oder zumindest legt man das Gelübde ab, das eigene Leben vollständig einer solchen Reinigung zu widmen, so dass schliesslich alles Geringere als Gott aufgegeben werden kann.

Dann erstreckt sich die eigene Liebe so weit, wie die Liebe Gottes sich durch seine ganze Schöpfung erstreckt. Als Kinder Gottes werden alle Lebewesen zu eigenen Geschwistern. Im selben Atemzug ist keine Person weniger geliebt als eine andere. Dies ist die Essenz des Gelübdes der Entsagung. Das Wort „Swami“ bedeutet „ein Meister“, einer der alles gemeistert hat, was von der vollen Umsetzung dieses Potentials in sich selbst ablenken könnte.

Mit anderen Worten, alle kleinen Dinge, mit denen unsere begrenzten Egos sich identifizieren, verlieren ihren „Geschmack“ und man strebt danach, dass nur Gott durch unsere Wesen handelt. Folglich werden alle bisherige Verbindungen aufgegeben. Dies bedeutet nicht, dass diejenigen, die man bisher geliebt hat, jetzt weniger geliebt würden. Es bedeutet nur, dass diejenigen, die bisher nicht mit der gleichen Intensität geliebt wurden, nun mit der gleichen Intensität geliebt werden. Mit dem Gelübde der Entsagung führt man eine Zeremonie durch, über die Versöhnung des Todes des eigenen Egos, und verkündet der Welt, dass die drei Hauptbegierden, und in deren Folge auch alle anderen Begierden, aufgegeben wurden, nämlich die Begierden nach Fortpflanzung, nach Reichtum und Komfort sowie nach Ehre, Ruhm und Ansehen. Das einzige unterhaltene Gefühl ist das Gefühl der Liebe zu Gott und der Liebe zu allen Wesen in Gott.

Dann gibt man eine Zusicherung an alle Lebewesen ab und sagt: „Lass kein Lebewesen mich von nun an fürchten. Ich bin eine Quelle von keiner Furcht, von keiner Gefahr für jeden“. So wird das Fehlen von Wut die Regel und die Vergebung kommt ganz natürlich. Nicht-verletzen und der Dienst an anderen wird zur eigenen primären Natur.

Daraufhin werden alle Häuser zum eigenen Haus, alle Kinder sind die eigenen Kinder und man bemüht sich, ihnen selbstlos zu dienen, ohne Suche nach Belohnung.

Traditionell trägt man im Swami-Orden, der vier- bis fünftausend Jahre zurückreicht, safranfarbige Roben, die Farbe der aufgehenden Sonne, als ein Lichtwesen, das für andere eine Quelle der Erleuchtung sein soll, wo auch immer man sich aufhält. Alle materiellen Gegenstände und Finanzen, die man besitzt, werden für den Dienst an anderen treuhänderisch verwaltet. Da der Körper auch dem Dienst an anderen dient, nimmt man auch Essen für den Körper an, damit der Dienst fortgesetzt werden kann. Dienst und Verehrung werden identisch. Die drei Grundregeln des Swami-Ordens sind Armut, Keuschheit und Gehorsam.

Warum sollte man Mitglied des Indischen Swami-Ordens werden, warum nicht einem anderen Orden beitreten? Als Swami steigt man auf, über alle Grenzen von religiösen Dogmen und Nationalitäten. Man muss keine Unterscheidung vornehmen zwischen den verschiedenen Gruppierungen und muss, was die Anhänger der verschiedenen Religionen angeht, diese in ihrem Glauben an ihre jeweils eigene Religion stärken [ich wünschte, alle von uns würden dieses Ideal einhalten, leider ist das nicht so]. Wie zu sich selbst hat man das Gelübde abgelegt, Gott zu erleben und ein Glaubenssystem zu formen, das alleine auf dieser Erfahrung beruht.

Artikel übernommen von www.swamivedablog.org, August 2011, und übersetzt ins Deutsche.

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