21. Juni – Internationaler Yoga-Tag

Weltyogatag - 21. Juni

Weltyogatag – 21. Juni

Mitteilung an alle geliebten Manifestationen des Göttlichen Atman im Yoga:

Liebes Selbst,

kurz nachdem Narendra Modi zum Premierminister Indiens gewählt wurde, richtete er sich an die Vereinten Nationen (UNO) und schlug vor, einen internationalen Yoga-Tag zu etablieren. 177 Nationen stimmten dem Vorschlag zu. Damit wurde der 21. Juni als jährlich stattfindender internationaler Yoga-Tag festgelegt.

All jene, die an der inneren spirituellen Ausrichtung des Yoga orientiert sind, sollten sich an an diesem Tag zusammenfinden, um ihre inneren Erfahrungen miteinander zu teilen, ihren Fortschritt auf dem Weg zu überdenken und miteinander in die Stille zu gehen. Alle, die sich am überlieferten System des Yoga orientieren, wie von den Rishis überliefert, sollten zusammenkommen und miteinander meditieren.

Was ermöglicht uns Yoga? Hier ein aktuelles Beispiel:

Wenn Politiker Wahlen bestreiten, so sind sie am Tag der Verkündung der Wahlergebnisse alle in einem Zustand hoher Anspannung und Erwartung, sie hängen vor dem Fernseher, telefonieren pausenlos etc. Am 16. Mai 2014 wurden die Ergebnisse der Wahlen in Indien erwartet. Der jetzige Premierminister Indiens hat an diesem Tag seinen Fernseher bis nach 12 Uhr mittags nicht eingeschalten. Er saß zurückgezogen in tiefer Meditation. So verhält sich jemand, der meditiert.

Als er die USA besuchte, befand er sich inmitten einer heiligen Fastenperiode. Sein Programm war hektisch, er traf Präsident Obama mehrere Male, hielt beeindruckende Reden, unter anderem im Madison Square Garden; all das, während er sein Fasten weiter einhielt. Seine unbegrenzte Energie war beeindruckend; alle fragten sich, woher er diese Energie und Ausstrahlung bezog. Die Quelle dafür ist seine Yogapraxis und seine Meditation.

Das nur als ein Beispiel dafür, was Yoga uns ermöglichen kann.

Sag also nicht, ‘Ich kann nicht meditieren, da ich so mit dem weltlichen Erfolg beschäftigt bin.’ Du kannst das weiter tun, aber lass dich von diesem Bestreben nicht unter Druck setzen.

Was ist dieser Yoga? Was kennzeichnet Yogapraktizierende?

Zum ersten sutra der Yoga-sutras von Patañjali kommentiert der weitaus bedeutendste Kommentator, Vyasa:

Yogasamadhih
Yoga ist samadhi.

Der bedeutendste Text des Ayurveda, Caraka-samhita, erklärt:

Yogo moksha-pravartakah
Yoga ist das, was spirituelle Befreiung voranbringt und ermöglicht.
(Sharira-sthana 1.137)

Im Shunya-sampadaneh, einem klassischen Kannada-Text, kann man lesen:

Allama Prabhu betritt Animishadeva’s Meditationsraum und erfährt dabei:

  • seine Körperwahrnehmung löst sich auf
  • sein Wille wird zu stillem Nichtwollen
  • seine Augen fixiert
  • seine Sicht getrübt
  • kein Lidschlag
  • sein Bewusstsein stabilisiert
  • die Erregung der Ich-Orientierung nicht mehr wirksam
  • seine Wahrnehmung des ‘Anderen’ endet
  • die Trennung zwischen den ‘Zweiheiten’ vergeht
  • er selbst wird alles
  • all seine Impulse fließen zusammen in einen Punkt, an dem der Geist in Nichts entschwindet
  • er verwirklichte selbst die Bedeutung der Lehre:
    ‘Die Leerheit (shunya) oben,
    die Leerheit unten,
    die Leerheit in der Mitte’
  • frei von Unvollkommenheiten
  • völlig frei von geistigen Erscheinungen

Dies sind die Merkmale jener, die sich in samadhi befinden –
und zu einem in der Trance der Wirklichkeit vertieften Eindruck werden.

(Shunya-sampadane, erstes upadesha, vacana 19;
übersetzt von S.C. Nandimath, L.M.A. Menezes, R.C. Hieremath)

Wie weit sind wir noch von dieser Definition, von diesem Ziel des Yoga in unserem täglichen Üben und unserem Verständnis von Yoga entfernt?

Der griechische König Menadros (ca. 165/155-130 v.C.) regierte über große Bereiche Süd-Asiens, vom Fluss Kabul in Afghanistan bis zu dem Fluss Ravi im heutigen Punjab von Pakistan. Es existiert ein Text, Milinha-panha – die Fragen des Milinda (in Pali, der Sprache, die die Buddha sprach), in dem sein Dialog mit dem buddhistischen Mönch Bhikku Nagasena aufgezeichnet ist. Im 6. Kapitel stellt der König dem Mönch die Frage nach den Eigenschaften, die sich in einem Praktizierenden des Yoga zeigen. Der Mönch antwortet und beschreibt 67 Wesenheiten, deren 179 Qualitäten sich in jedem Yogaübenden zeigen sollten.

Hier führen wir nur die fünf Qualitäten des Ozeans auf:

Wer den Yoga-sadhana praktiziert, besitzt fünf Qualitäten des Ozeans:

Der Ozean bewahrt einen leblosen Körper nicht für lange Zeit. Derart lassen Yogapraktizierende sich selbst nicht in Unvollkommenheiten wie Anziehung, Aversion, Verwirrung, Stolz, Selbstbewunderung, Angeberei, Eifersucht, Neid, Bosheit, Irreführung, Betrügerei, Grobheit, schlechtem Benehmen und Bedrängnissen verweilen.
So wie der Ozean in sich Perlen und vielerlei Juwelen birgt und verborgen hält, so sollte ein Yoga-sadhaka die Schätze des rechten Weges, die Früchte des sadhana, Meditation, samadhi, Verschmelzung, Einsicht, Weisheit und so weiter in sich verborgen halten und nicht offen zur Schau tragen.
Der Ozean steht in Verbindung mit den größten Lebewesen. So sollten auch Praktizierende des Yoga mit einem herausragenden Mönch verbunden sein, der folgende Qualitäten aufweist:
er kennt nur wenig Verlangen, ist zufrieden, spricht mit Festigkeit, handelt rein, ist bescheiden und von sanfter Natur, hat Tiefe, ist würdevoll, wortgewandt und voller Eifer, er ist frei von Laster, horcht auf die Grundsätze anderer, vermittelt die Grundsätze, erklärt und leitet andere auf den rechten Weg, erzeugt durch seine dharma-Vorträge ein Gefühl der Widmung in anderen und ist ein Wohltäter.
So wie der Ozean die Wasser tausender Flüsse und Ströme des Regens aus den Wolken aufnimmt, ohne überzulaufen, so wird ein Yoga-sadhaka, der Wohltaten, Respekt und Ehrerweisungen erhält, niemals die Richtlinien verletzen.
So wie der Ozean die Wasser tausender Flüsse und Ströme des Regens aus den Wolken aufnimmt und dabei nie zu voll wird (unfähig, mehr aufzunehmen), so wird ein Yoga-sadhaka nie müde zu lernen oder sich über den dharma auszutauschen, den Meinungen anderer zuzuhören und sie zu kontemplieren und zu überprüfen, und die Tiefen der Philosophie und der heiligen Texte zu studieren.

(Milinda-panha-pali)

Mögen sich diese 179 Qualitäten in dir in diesem Leben entfalten.

Ich widme voller Verehrung diese Betrachtungen meinem Gurudeva, Swami Rama von den Himalayas.

Ich wünsche allen Suchenden und Übenden des Yoga Erfolg in diesem Yoga.

Und so, wie die koreanischen Buddhisten sich verabschieden, so wünsche ich Dir:
Mögest du Erleuchtung erlangen.

Swami Veda Bharati

Diese deutsche Übersetzung wurde dankend übernommen von www.samaya-yoga.com

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